Für einen Neustart am Brauhausberg

Reset!

Das Ensemble am Brauhausberg gehört zu den prägenden Quartieren der Stadtmitte von Potsdam.
Hier lässt sich exemplarisch beobachten, was eine schlechte und neoliberale Stadtpolitik anrichten kann und hier ist es notwendig und möglich, jetzt den „Resetknopf“ zu drücken:

Für einen radikalen Neuanfang am Brauhausberg!

Eigentlich ist am Brauhausberg in Potsdam so ziemlich alles falsch gemacht worden, was nur möglich ist.
Um das zu verstehen, muss man aber das Gesamtensemble betrachten: Also auch den „Kreml“, die Wohnsiedlung am Brauhausberg, die Schwimmhalle „Blu“ und das „Minsk“ sowieso.

Der Teil, welcher wohl unwiderbringlich so stehen bleiben wird, ist das neue Schwimmbad „Blu“. Einmal als das Vorzeigeobjekt neuer Weltarchitektur (Niemeyer!) gepriesen, stören sich heute selbst die Leute von „Mitteschön“ an dem Klotz mitten in Potsdam. Der Bau ist außerdem viel teuerer geworden, als geplant, mit der Konsequenz, dass die Stadtwerke heute mit aller Macht den Rest des Brauhausberg – Komplexes an den höchstbietenden Investor verhökern wollen. Davon, dass eigentlich auch das Schwimmbad aus DDR – Zeiten erhaltenswert gewesen wäre, wollen wir lieber gar nicht mehr reden.

Der „Kreml“ – einst Sitz der SED – Bezirksleitung, dann des Landtages Brandenburg ist ein weiteres – prägendes Bauwerk der Stadt, weithin sichtbar und bekannt. Dieses Filetgrundstück hat das Land Brandenburg 2015 an ein Konsortium um die Berliner Saunus AG verkauft – ein nicht gerade unumstrittenes Immobilienunternehmen. Das hat dafür knapp 9 Mio. € bezahlt und den „Kreml“ gleich darauf an die Stadt als Flüchtlingsunterkunft für knapp 1,5 Mio. € pro Jahr zurückvermietet. Bis zum Baubeginn werden die neuen Besitzer den Kaufpreis also schon wieder eingenommen haben. Tolles Geschäft – nur nicht für Potsdam. Danach entsteht ein klassisches Luxusbauprojekt – mit Eigentumswohnungen, Anlageobjekten, Tiefgaragen etc.

Die Wohnsiedlung am Brauhausberg war im letzten Jahr auch ganz oft in den Schlagzeilen. Die hat in dem Fall die kommunale Pro Potsdam gemacht. Sie hatte dieses Filetquartier in bester Lage – aber unsaniert – zugesprochen bekommen, als sich keine Vorbesitzer finden lassen konnten. Nun wird fleißig saniert – allerdings im Streit und im Widerspruch zu vielen MieterInnen. Diese hatten sich im Verein „Mieteschön“ organisiert und versucht, in einem Dialogverfahren, Einfluss auf die Ausrichtung und Form der Sanierung zu nehmen – vergeblich. Am Ende standen sie mit leeren Händen da: Keine Bedarfssanierung, sondern eine Grundsanierung, Balkone, obwohl die MieterInnen sie nicht wollten, da sie längst eigene Gemeinschaftflächen geschaffen haben. Nach der Sanierung werden die Mieten für BestandsmieterInnen um 30 % steigen, bei Neuvermietungen um das Doppelte. Und man braucht kein Prophet zu sein, um auszurechnen, was mit den Mieten passiert, wenn in der Nachbarschaft fast ausschließlich Luxusbauprojekte verwirklicht werden. Schon jetzt werden Wohnungen bei Auszügen nicht neu vermietet, sondern erst einmal leer stehen gelassen – nach der Sanierung ist die Neuvermietung ja viel günstiger – für die Pro Potsdam.

Über das „Minsk“ und seine Geschichte ist in den letzten Monaten viel, viel geschrieben worden. Eigentlich ist es schon ein Wunder, wie dieses architektonische Meisterwerk dem Verfall und der Verwahrlosung der letzten Jahre getrotzt hat und Vielen heute immer noch als erhaltenswert gilt. Das ist ja eine der typisch Potsdamer Methoden, Bauwerke zu diskretitieren, die man in der Stadt nicht will: Man lässt sie einfach jahrelang verfallen und verwahrlosen, macht nichts daran, sichert nichts und erklärt dann, wie häßlich das Ganze aussieht (siehe Fachhochschule, Staudenhof etc.).
Nun soll also der „Rest“ am Brauhausberg verkauft werden. Am Besten an den Höchstbietenden, bitte ohne das „Minsk“ zu erhalten und ohne große Bedingungen. Ein „ananymer“ (Idee: Wieder Saunus?) Investor hat 27 Mio. € geboten – unter der Bedingung, das „Minsk“ abreißen zu können. Nach Verkehrswert hatten die Stadtwerke nur mit rund 9 Mio. € gerechnet. Da braucht man auch kein Mathematiker zu sein, um auszurechnen, was dann für Wohungen entstehen und was die kosten werden. Das gesamte Ensemble am Brauhausberg wird ein Luxus – und Spekulationsquartier – mitten in der Stadt.

Deshalb: Zeit, den „Resetknopf“ zu drücken.

Was wäre eigentlich, wenn das gesamte Quartier bei der Stadt bzw. ihren kommunalen Gesellschaften verbliebe?
Was spricht dagegen, hier ein Quartier zu entwickeln, was sich alle Menschen leisten können, wo Kreative eine Heimat finden, was bunt, modern und bezahlbar ist?
Was spricht gegen ein Quartier, wo sich Geschichte und seine Architektur verbindet (Reichskriegsschule, DDR, heute)?
Was spricht dagegen, hier ein Modell zu entwickeln, wo BürgerInnen, MIeterInnen, städtische Zivilgesellschaft tatsächlich und praktisch eingebunden werden?

Dies ist ein Plädoyer dafür, die verbliebenen Grundstücke nicht zu verkaufen.
Dies ist ein Plädoyer dafür, den „Kreml“ zurück zu kaufen.
Dies ist ein Plädoyer dafür, die Siedlung mit den MieterInnen zu gestalten.
Dies ist natürlich ein Plädoyer dafür, das „Minsk“ zu erhalten.

Was wäre das für eine Symbol für eine andere Stadtentwicklung!
Potsdam wird nicht weiter gespalten.
Potsdam wird nicht weiter privatisiert.
Potsdam sichert auch in exponierter Lage bezahlbaren Wohnraum.
Potsdam kann Mitbestimmung.

Was es dafür braucht?
Politischer Mut. Ein politisches, soziales und kulturelles Bewusstsein, dass Stadtentwicklung etwas anderes ist, als alles dem Markt zu überlassen.
Dies müssten und können die Stadtverordneten beschließen.
Dies kann die Stadt finanzieren, denn die Folgekosten eines solch großen Luxusquartiers in der Stadtmitte werden viel größer sein.

Potsdam muss sich entscheiden: Findet die Stadt den „Resetknopf“?

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