Weihnachten a la Garnisonkirche

Weihnachten – das Christfest. Ein Fest der Liebe und Geschenke. Ein Beitrag über seltsames Brauchtum, Bestechung, Geschenke, Wunder, die Garnisonkirche und deren besondere Besinnlichkeit. Ein Beitrag zur Erhellung, zum Lichterfest. Ein Artikel, der so nie in MAZ und PNN zu lesen sein wird! Aber hoffentlich auch Journalisten zum Nachdenken und Recherchieren verhelfen wird. Eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art.

Weihnachten – das Christfest. Ein Brauch der katholischen Kirche der längst alle abendländisch geprägten Schichten der Bevölkerung erfasst hat. Das Familienfest mit dem Brauch sich gegenseitigen zu beschenken geht auf Martin Luther und das Jahr 1535 zurück. Bis dato beschenkten sich die Christen zum Nikolaustag. Luther wollte aber das Interesse auf die Geburt Christi lenken, auch das der Kinder, und so kam es zum heutigen Kaufrausch und der Kommerzialisierung eines christlichen Festes und ganz ursprünglich des heidnischen Wintersonnenfestes.

Vieles was uns vertraut und schon als – das war schon immer so – erscheint, ist der Veränderung und Variation unterworfen. Ein Sammelsurium an Brauchtum. Krippenspiele gibt es seit dem 11. Jahrhundert, den geschmückten Weihnachtsbaum seit dem 16. Jh., den Weihnachtsmann erst seit dem 19. Jh. und den Adventskranz seit 1839. Ein altes Wagenrad mit 20 kleinen roten und vier großen weißen Kerzen verkürzten den Kindern einer evangelisch-lutherischen Erziehungseinrichtung die Wartezeit auf Weihnachten. Später hat sich, auch bei den Katholiken, der Tannenzweigkranz mit vier Kerzen durchgesetzt. Und heute gehört der beleuchtete Herrnhuter Stern (ebenso wie der selbstgebastelte FH-Stern!) wie selbstverständlich zu Weihnachten. Der Herrnhuter Stern soll den Stern von Bethlehem (naher Osten) symbolisieren und stammt aus Herrnhut in der Oberlausitz (für viele ferner Osten).

Die Herrnhuter Brüdergemeinde ist eine aus der böhmischen Reformation hervorgegangene überkonfessionell-christliche Glaubensbewegung. Sie liegt scheinbar im Trend und hat heilsame Wirkung. Matthias Platzeck und Wieland Eschenburg (2014/15 und 2016/17 als Schlichter im Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) eingesetzt) begannen jede Sitzung mit der Besinnung auf die Herrnhuter Losungen. Sie wurden sich friedlich einig. Gleichzeitig missionierten die „Brüder Platzeck und Eschenburg“ den aus Dresden stammenden GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky bezüglich Garnisonkirche. Die GDL spendete – scheinbar ohne über deren eigentlichen gewerkschaftlichen Auftrag nachzudenken – für das Aufbauprojekt.  Die Inschrift der 130.Treppenstufe soll lauten: „zum 150jährigen Jubiläum der GDL 10.Mai 2017″. Leider kein Treppenwitz.

Laut eigener Einschätzung ist die GDL „… eine traditionsbewusste Gewerkschaft. Sie lebt auch dadurch, Spuren zu hinterlassen. Nicht nur für sich selbst, sondern Spuren mit gesellschaftlicher Relevanz, die ein Bewusstsein historischer Bezüge ermöglichen.“ Spuren die bis nach Auschwitz führen. Ok, Gewerkschaften wurden damals auch aus- bzw. gleichgeschaltet. Aber darum soll es gar nicht gehen, sondern darum, dass ein Gewerkschaftschef einem Vermittler Geld für dessen privates Hobby überweist. Im Normalfall wird dies als Bestechung angeprangert oder verharmlosend als Geschmäckle beurteilt. Nicht so in den Potsdamer Zeitungen. Wieso geschieht dies nicht, wenn der Chef der Gewerkschaft einem Schlichterteam dessen privates Anliegen finanziert? Einer der beiden Schlichter wird sogar von der durch die Spende begünstigten Stiftung Garnisonkirche bezahlt! Ist das Vorteilsnahme in Ausübung eines (Schlichter-)Amtes?

In den Grundsätzen heißt es: „Die GDL ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Die GDL bekennt sich zum freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat. Egal ob rot, grün, schwarz oder gelb: Die GDL lässt sich vor keinen parteipolitischen Karren spannen. Für sie zählen ausschließlich die Mitgliederinteressen. …“. Worin besteht das Mitgliederinteresse bei der Subventionierung eines Sakralbaus? Die Garnisonkirche ist eine evangelische Kirche und wird von einer kirchlichen Stiftung gebaut. Wo bleiben die konfessionelle Unabhängigkeit und die damit verbundene Neutralität der GDL?

Die Spende der GDL ist ein wahrlich seltsames Geschenk in dieser Weihnachtszeit.  Das Thema wird auch umfänglich seitens der Stiftung instrumentalisiert (siehe Potsdamer Spitze 2019). Ein nicht minder zweifelhafter Vorgang wurde kurz vor Nikolaus bekannt. Berlin, 04.12.2018, eine Veranstaltung des Architekturpreis -Vereins. Erst sprach Altbischof Huber über das Aufbauprojekt Garnisonkirche hart an der Wahrheit vorbei. Die Initiative zum Wiederaufbau ging nach Huber nicht von Max Klaar und dessen traditionsbewussten Kameraden, sondern von der Stadt Potsdam aus. Auch sprach er dem Handschlag von Hindenburg und Hitler jegliche Symbolwirkung ab, obwohl dieses Bild nahezu in jeder jüdischen Gedenkstätte der Welt hängt. Der Handschlag war nur eine Geste zwischen Männern, wie viele an diesem Tag. Von der militaristischen Tradition der Kirche oder der unsäglichen Verbindung von Krone und Altar sprach Huber nicht. Er weidete sich wieder mal in der Opferrolle.

Danach kam der Chefarchitekt Thomas Albrecht zu Wort und erläuterte die moderne Architektur des GK-Turms, das bevorstehende Baugeschehen und die aktuellen Gebote für Bauleistungen. Der Baupreissteigerungsindex für Neubauten beträgt rund 25% (Faktor 1,23 von 2010 zu heute). Die allerorts mangelnden Baukapazitäten ließen vermuten, dass einzelne Bauleistungen sich verteuern. Doch manchmal geschehen Wunder. Bei der Ausschreibung der Maurerarbeiten (rund 2,3 Mio. Ziegel sollen per Hand verbaut werden; 8. Mio. € waren dafür eingeplant) kamen folgende Gebote rein: 14 Mio. € und 12 Mio. €. Beide passen zu den bekannten Kostensteigerungen. Doch noch rechtzeitig kam von der Firma Dressler-Bau aus Dresden ein Angebot über 8,0 Mio. €! Bei der Vorstellung dieser Angebote ging ein Raunen durch die Fachleute, als bekannt wurde, dass das Architekturbüro Hilmer Sattler und Albrecht Architekten mit Dressler-Bau auch am Stadtschloss Berlin, dem Humboldtforum tätig sind. Hinter vorgehaltener Hand würde von Gefälligkeit und Auftragsgebot gesprochen. Sogar die These, dass die realistischen Mehrkosten gegebenenfalls über das andere Retroprojekt verrechnet werden, machte die Runde.  Kämen diese Machenschaften zum Tragen, würde die gemeinnützige „Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum“ als Bauherrin (also Bund, das Land Berlin und andere öffentliche Körperschaften/Institutionen) die Mehrkosten der Maurerarbeiten am GK-Turm tragen.

„Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Eine typische Weihnachtsbotschaft. Der Lukas-Vers soll auch den Sockel der Kirchturmkopie zieren. Ich frage mich jedes Mal: Warum brauchen die Christen immer einen Führer? Können sie sich nicht selbstständig und selbstbewusst auf den Weg des Friedens machen? Oder brauchen sie jemanden, der für sie die Verantwortung übernimmt, wenn sie falsch abgebogen sind? So wie in all den Jahren, als in der Garnisonkirche Krieg und Vernichtung gepredigt wurden.  Hof- und Garnisonspfarrer Bernhard Rogge in der Garnisonkirche: „Aber den Glauben wollen wir uns nicht nehmen lassen, dass Gott auch durch die Schrecken dieses Krieges etwas Besonderes aus unserem Volk machen will, dass unserem deutschen Volke Aufgaben gestellt sind, die kein anderes wie das unsere zu erfüllen berufen ist, und dass, wenn Gott in einem Kriege den wir nicht gesucht und gewollt haben, uns in solch einen Kampf stellt, wie wir ihn täglich erleben, und wenn er ihm verleiht, solche Taten zu vollbringen, wie unsere Heere und die mit uns Verbündeten sie vollbracht haben, er mit solch einem Volke noch besondere Dinge vorhaben muss.“ Das deutsche Volk sei „Segen für die Welt, ein Träger und Bringer echter, christlicher und zugleich echt menschlicher Kultur“, es sei „ein Salz der Erde, ein Licht für die Welt“.

Ein Licht voller Schatten! Das war die Weihnachtsandacht vom 26.12.1914 unter dem Motto „lasst uns gehen gen Bethlehem“. Soviel zur Besinnlichkeit a la Garnisonkirche.

Und euch allen, trotz alledem, ein frohes Fest.

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