50 Jahre Hotel Mercure

von Andrzej Krajnik

Fünfzig Jahre ist im Mai das Hotel Mercure alt geworden. Am ersten Mai 1969 wurde das drittälteste Hochhaus Potsdams als Interhotel Potsdam in der neuen Stadtkrone für Hotelbesucher eröffnet.

Erstes Hochhaus der Stadt ist das Veteranenheim „Geschwister Wolk“ in der Burgstraße (heute Josephinen-Wohnanlage), darauf folgte die Eröffnung des Hauses des Reisens am Platz der Einheit (inzwischen zerstört). Nach dem Hotelbau folgte als innerstädtisches Hochhaus der Staudenhof. Auffallend ist: Alle diese Gebäude hatten eine soziale Funktion, welche vielfältiges Leben in das Stadtzentrum brachten und hielten. Dies im Unterschied zu öden Innenstädten heutiger Prägung, in denen die Büroflächen und Verkaufsräume nach Geschäftsschluß nur wenig Attraktionen für die Besucher bereithalten. Von den vier Innenstadthochhäusern ist scheinbar nur das erste Hochhaus in der Burgstraße ein Typenbau, den man auch in anderen Städten wie Brandenburg und Hennigsdorf finden kann. In Potsdam liegt die Besonderheit im Keller. Dieses Gebäude wurde nämlich 1965 in einer neuartigen Wanne gebaut, welche bis heute mit Erfolg vermeidet, daß Wasser aus der Havel bei Hochwasser durch das Fundament in die Keller drückt. Ein System, das später im Potsdamer Interhotel mit seiner Wasserlage wiederholt wurde und noch etwas später auch im Palast der Republik.

Tatsächlich ist der Baugrund für Hochhäuser an Potsdams direkter Wasserlage nicht sehr günstig. So gab es beim Hotelbau auch einige Rückschläge. Sei es der sumpfige Baugrund, an dem länger als erwartet gepumpt werden mußte. Sei es die Tragfähigkeit der Betonplatten, welche noch während der Bauarbeiten durch ein Stahlskelett stabilisiert werden mußten. In der Konsequenz ist ein überaus langlebiges Haus entstanden, das auch optisch dem internationalen Vergleich mühelos standhält.

Schwieriger hat es das Hotel mit den heutigen politischen Befindlichkeiten. Jene Leute, welche den Potsdamer Hauptbahnhof, die neue Schwimmhalle, den IHK-Neubau und ähnliche innerstädtische Mißgriffe für den großen Wurf halten, sehen das Hotel seit langem auf ihrer Wunschliste für den Abriß. Immerhin handelt es sich um ein Prestigegebäude aus der unliebsamen DDR-Vergangenheit. Den Befindlichkeiten gemäß fiel in aller Stille das bemerkenswerte Fernmeldeamt in der Straße Am Kanal, mit etwas mehr Unwillen schon das Haus des Reisens und unter großem Getöse das ehemalige Institut für Lehrerbildung (zuletzt FHP). Es ist dieser Widerstand und die Verwunderung, daß eine Stadt mit einem riesigen Bedarf an Schulen, Kindergärten, Verkehrs-Infrastruktur und Bürgernähe ihr Geld lieber in die Beseitigung funktionierernder DDR-Hinterlassenschaften investiert, der momentan eine Änderung der Prioritäten erzwang – erst sollen nach jetzigen Planungen preisgünstige Wohnungen und das Kulturquartier im Staudenhof aus der Innenstadt restlos beseitigt werden, das Hotel könne ja auch in Zukunft noch weichen. Es bleibt zu hoffen, zuvor werden die so denkenden Dogmatiker aus ihren Funktionen entfernt.

Immerhin hat der Streit um das Stadtbild und sein bauliches Erbe auch zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Hotel Mercure geführt. Welches Hotel hat schon eine derart breite Unterstützung in der Stadtgesellschaft und darf sich damit rühmen, identitätsstiftend zu sein? Das Hotel Potsdam kann das. Warum dann aber diese Stille im Haus selbst, bei einem halben Jahrhundert Hotelbetrieb? Wo blieb das Feuerwerk, wo der Paukenschlag? Hotel-Chef Daniel Schmidt gibt hierzu eine klare Auskunft: Natürlich wurde gefeiert, natürlich gab es Geschenke. Das größte Geschenk an die Stadtgesellschaft ist aber nicht nur für den Tag sondern sehr nachhaltig: Denn das Geld wurde in die etagenweise Sanierung des Hauses gesteckt. Damit sind zum einen auch in der Zukunft viele Gäste willkommen, zum anderen noch etliche Jubiläen für diesen Hotelstandort zu erwarten. Mit seinem halben Jahrhundert ist jedoch der Bedarf an ausgelassenen Festen ein stückweit gedeckt. Zum einen liegt das daran, daß im Bettenhaus nur diejenigen unterwegs sein sollen, die auch im Haus wohnen. Zum anderen soll der Lärm für die Gäste vermieden werden. Denn der Schwerpunkt liegt natürlich im Vermieten von Zimmern, nicht im Betreiben einer Diskothek – auch nicht in einer Bar in der 17. Etage. Stattdessen hat sich hier ein wichtiges Konferenzzentrum mit einer Vielzahl unterschiedlich großer Tagungsräume etabliert. Saisonale Schwankungen gibt es daher kaum.

Aus seiner Erbauungszeit ist im Inneren des Hotels kaum noch etwas erhalten, das Haus entspricht den heutigen Ansprüchen. Was über alle Zeit besteht, ist die Aussicht über Potsdam. Und von den 17 Etagen aus hat man sich den wachen Blick für die Nachbarschaft bewahrt. Statt Feuerwerk und Paukenschlag werden durch ein Transparent am Dach an uns Grüße gerichtet: „Wir lieben Potsdam“. Diese Liebe bleibt nicht unerwidert. Alles Gute zum halben Jahrhundert!

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