RZ, ja nein vielleicht! Halb ganz oder gar nicht?

Wofür stehen DIE GRÜNEN hinsichtlich Rechenzentrum und Garnisonkirche? Ein Kommentar zum eierlegenden Wollmilchsau-Beschluss des grünen Kreisverbands und den Einfluss von Saskia Hüneke darauf.

Preußisch Grün _ KpL

Der Kreisverband hat am 20.02.2020 nicht nur keine Meinung zur Rolle des OB im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche gefunden, er hat auch beschlossen, dass „irgendwas“ Sozio-Kreatives neben dem Turm der Garnisonkirche (ent-)stehen soll.

Saskia Hüneke, die Frontfrau der Bewegung „Zurück zum Preußen-Chic“, hat es mal wieder geschafft. Sie hat die versammelte Truppe eingelullt und beschließen lassen, dass alle Varianten – Gesamterhalt, Teilerhalt oder ein Neubau des Rechenzentrums – gleichberechtigt untersucht werden sollen! Ihr Vierklang-Vorschlag, der den Abriss des heutigen RZ vorsieht, steht also gleichberechtigt neben einem „weitestgehenden Erhalt“ des heutigen Kunst- und Kreativhauses. 

Begründet hat Frau Hüneke diese „Offenheit“  mit dem Wunsch nach Beteiligung. „Wenn wir uns auf eine Variante festlegen, endet der Diskurs sehr schnell, aber wir wollen doch Beteiligung“, sagte sie. Wie Beteiligung in Potsdam aussieht, hat u.a. der Prozess zum KreativQuartier gezeigt. Obwohl sich die Vertreter*innen der Kreativszene für die Einbeziehung des RZ in die Machbarkeitsstudie aussprachen, wurde mit Verweis auf deren Beteiligung im Prozess das RZ ausgeschlossen und das Gebäude in den Beschlussvorlagen weiter als abzureißen betrachtet. Oder: obwohl sich der Sprecher*innenRat des RZ gegen den Bau das KQ aussprach, stand in der Beschlussvorlage für die Stadtverordneten, dass dieser dafür sei.

Frau Hüneke hat also erneut dafür gesorgt, dass die Baufreiheit für das Kirchenschiff geschaffen werden kann und der Bau des Schiffes eine mögliche Variante ist! Denn Teilerhalt und Neubau bedeutet Platz machen für eine Bebauung, die auch das Kirchenschiff im geänderten Gewand sein kann. Lediglich der Kompletterhalt des RZ wäre eine klare Ansage zur Verhinderung des Schiffes und für einen Neuanfang auf dem Grundstück des ehemaligen Schiffes. Dieses Grundstück hat die Stadt Potsdam ins Stiftungsvermögen eingebracht. Und es würde auch an die Stadt zurückfallen, wenn kein Kirchenbau dort realisiert wird.

FÜR den Erhalt und eine freundliche Übernahme des RZ hat sich scheinbar niemand ausgesprochen. Selbst die aktuelle Nutzung wird zwar von grüner Seite bejaht aber auch in Frage gestellt. Lediglich sozio-kreative Zwecke sollen mit dem Ort verbunden werden.

Erschreckend ist, dass der grüne Kreisverband keine Meinung zur Rolle des Oberbürgermeisters im Kuratorium der Stiftung verabschiedet hat. Wohl auch aus Rücksicht auf diese Stiftung und die personelle Verquickung mit ihr bzw. der Nagelkreuzgemeinde. Ursprünglich war ein Beschluss zur Rolle des Oberbürgermeisters im Kuratorium vorgesehen. Der OB sollte aufgefordert werden, sich „insbesondere für eine wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung der Geschichte des Ortes“ einzusetzen. Es sollten bei der geplanten Dauerausstellung im Turm auch Kritiker*innen einbezogen werden. Daraus wird nichts! Das wurde abgelehnt. Das zeigt, wie ernst DIE GRÜNEN Beteiligung wirklich meinen.   

Das einzig Konkrete im unkonkreten grünen Dschungel: Der Kreisverband hat sich dafür ausgesprochen, dass bei jedem Neubau auf der Fläche des früheren Schiffs der Garnisonkirche „durch moderne Architektursprache ein baulicher Bruch erkennbar sein muss“. Unklar bleiben dabei der Inhalt des „Neubaus“ und ob damit auch der Turm – das Symbol des preußischen Militarismus – gemeint ist. Die Grüne Jugend hatte dies gefordert. DIE GRÜNEN sind inhaltlich weit entfernt von Schuberts Vorschlägen hinsichtlich Dokumentationszentrum, Lernort oder ähnlichem, denn sie verharren bei der Versöhnungsarbeit (der Stiftung?) für den Neubau. Konkrete eigene Ideen haben sie keine.

Die Grünen-Kreisvorsitzende Carolin Hermann wird in der MAZ wie folgt zitiert: „Wer Narben hat, hat etwas erlebt. Man kann sie überschminken oder sichtbar lassen – um zu mahnen oder Interesse zu wecken…. Die Stadt ist gespalten. Ich finde es wichtig, die Wunden zu heilen, aber die Narben der Geschichte auch baulich stehen zu lassen, damit wir über die Geschichte ins Gespräch kommen können.“

Wenn ich feststelle, dass die Stadt gespalten ist, warum wurde dann der Antrag der Grünen Jugend für ein Baustopp am Turm abgelehnt? Warum dann erst noch einen Wundnagel (nämlich den Kirchturm) in die Narben der Stadt treiben? Oder ist das ein grüner alternativ-medizinischer Ansatz à la Akupunktur? Das klingt wie der seltsame Ansatz der Stiftung Garnisonkirche: Wir müssen erst den Originalturm einer Militärkirche bauen, um dann Erinnerungs- und Friedensarbeit leisten zu können. Wer hat sich hier gerade mit wem versöhnt?

Hier geht es zum Beschlusstext (eine Abschrift):

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