militaristische Schützenhilfe

… nicht nur in der Garnison- und Landeshauptstadt Potsdam

Eine Einrichtung des öffentlichen Dienstes, das ZMSBw, hat sich mit einseitigen Darstellungen in die Debatte um den Wiederaufbau der Garnisonkirche eingemischt. Ein Blick auf die Homepage zeigt, dass es an Objektivität mangelt. Die Militärstadt Potsdam erlebt ein neues Kapitel seiner unrühmlichen Traditionen: die Verquickung von Militär, Staat(Krone) und Kirche.

Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) mit Sitz in der Potsdamer Zeppelinstraße 127/128 zählt zu den Forschungseinrichtungen des Bundes im Bundesministeriums der Verteidigung. Es betreibt militärhistorische Grundlagenforschung sowie militärsoziologische und sicherheitspolitische Forschung für die Bundeswehr. Das Zentrum behauptet, dass der Doppelcharakter als zentrale Forschungseinrichtung des Bundes und weisungsabhängige militärische Dienststelle als Teil der Bundeswehr keinen Widerspruch darstellt. Aber wieso jetzt dieser Podcast zur Garnisonkirche? Jetzt, wo die Bundeswehr und die Militärseelsorge die Ausstellung in der Garnisonkirche mit 350.000 € sponsern und somit inhaltlich beeinflussen will. Jetzt, wo die Kritik daran von nahezu allen Seiten kommt (mit Ausnahme der AfD). Wiese diese einseitige Einleitung ins Thema* und die unausgewogenen Interviewgäste?

Hier zwei Zitate aus der ZMSBW-Homepage* die entweder inhaltlich längst widerlegt sind oder aufzeigen, dass dem Zentrum der Bezug zur aktuellen öffentlichen Debatte fehlt:
„Seine Ruine (gemeint ist die ehemalige Hof- und Garnisonkirche, A.d.R.) ließ Walter Ulbricht, der Staatsratsvorsitzende der DDR 1968 sprengen, …“
Allein dieser Augenblick, (gemeint ist Handschlag Hitler mit Hindenburg, A.d.R.) der als Bild in Schulbüchern weithin bekannt zu sein scheint, befeuert eine kontroverse Debatte. “ Beides ist falsch!
Entlarvend ist auch die empfohlene Literaturliste auf der Homepage. Das faktenbasierte Standardwerk zur ehemaligen Hof- und Garnisonkirche von Matthias Grünzig „Für Deutschtum und Vaterland…“ fehlt.

Anmerkungen zum Podcast, der fast 80 Minuten dauert.

Ideologische Meinungsmache könnte die Zusammenfassung lauten. Zum Glück relativieren die Oberleutnante Held und Zimmermann einen Teil der Einseitigkeit. Zimmermann bezeichnet die Garnisonkirche als Ort des Kultes um das gute alten Preußen, als einen Ort der Politik und daneben des Glaubens. Wirklich Neues bringt der Podcast für Interessierte jedoch nicht. Es bleibt also die Frage: Welchen Zweck soll dieser Podcast erfüllen? Wem dient diese öffentliche Dienststelle?

Im Podcast gibt es lustige Momente: Beide Offiziere nennen den Ort des Streites: Garnisonskirche. Und Wieland Eschenburg schwebt laut eigenen Aussagen mit dem Projekt „auf einen Teppich der Sympathie“ um Unrecht der DDR zu bereinigen und um das Stadtbild zu heilen. Ein Wunder, dass die Spenden nicht sprudeln und der Bau bis heute unterfinanziert ist.

Laut Oberkirchenrat Martin Vogel erwartet uns Potsdamer*innen mit dem Turm „ein lebendiger Bienenkorb“. Als Bienenkorb oder -stock wird die von Imker*innen zur Verfügung gestellte künstliche Nisthöhle (Behausung) mitsamt dem darin befindlichen Volk von Honigbienen bezeichnet. Diese Behausung allein wird Beute genannt. Der Turm = eine Beute. Passt.

Einmal wird der Podcast auch spannend (nach 71 Minuten). Wiedermal wird deutlich, dass die Stiftung GK noch kein Konzept für die Ausstellung hat. Es gibt noch nicht einmal ein Leitbild! Aber Musik und Militär sollen ihren Platz finden. Nicht nur Schüler*innen, sondern auch Soldat*innen, als durch die Ausstellung „Führende“, werden für denkbar gehalten. Das nenne ich einen gelungen Beutezug der Militärs.

*http://www.zmsbw.de/html/aktuelles/podcastdiegarnisonkirchepotsdam?teaser=0&PHPSESSID=7e61aaa041ffcb9b1f29baaa5a46fa89

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