Vom Kriegstreiber zum Friedenskaiser?

… und ein Volk in Trauer

Jetzt oder nie – Monarchie!

„Die Irren sind wieder in der Stadt“ so könnte eine verharmlosende Überschrift auch lauten. Sie treffen sich am 14.11. am Neuen Palais. Vieles erinnert an den August 1991, der Überführung der Königssärge. Vorgeschobener Anlass ist diesmal die Abdankung des letzten deutschen Kaisers. Doch es geht um mehr: um die Destabilisierung der Demokratie und die Infragestellung der aktuellen Rechtsordnung. Zu den von sogenannten Reichsbürgern vertretenen Ideologien gehören oft die Ablehnung der Demokratie, Ideologieelemente des Monarchismus, Rechtsextremismus, Geschichtsrevisionismus und teilweise Antisemitismus oder die Leugnung des Holocausts. Sie teilen eine Haltung der Ablehnung gegenüber einer offenen und pluralistischen Gesellschaft.

Wilhelm II. dankte offiziell am 28. November 1918 ab, 19 Tage nach der Ausrufung der Republik. Nach eigener Aussage in der Hoffnung, dass sich die Situation im Reich stabilisiere. Er gab nie den Wunsch auf, wieder auf den Thron zurückzukehren. Sein in Potsdam lebender Urenkel Georg Friedrich von Preußen – der Schlagzeilen machende Sorgenprinz – hegt die gleiche Hoffnung. Ebenso die Reichsbürger und Königstreuen, die sich nun am Neuen Palais treffen wollen und noch einmal die Reichfahnen schwenken wollen. Denn noch sind sie nicht verboten.

Die Kundgebung findet am Neuen Palais statt. Sie feiern und ehren den Kaiser als „Friedenskaiser“ obwohl der faktisch die Kriegsgefahr für den 1. Weltkrieg persönlich steigerte, denn er ermächtigte Bethmann Hollweg (nach dem Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914), Österreich-Ungarn eine Blankovollmacht für dessen aggressive Politik gegen Serbien zu erteilen. Und zwar im Neuen Palais.

„Heimath und Weltfrieden“ ruft auf: „Es ist soweit. Am 14.11.2020 von 13.00 bis 18.00 Uhr werden wir nicht nur Kaiser Wilhelm II. gedenken. Wir werden in Potsdam vor dem Neuen Palais die Vergangenheit mit der Zukunft verbinden. Unter dem Thema „Heimath und Weltfrieden“ werden wir aufzeigen, wie wertvoll und weltweit einmalig das Deutsche Reich (Kaiserreich) 1871-1918 für alle Deutschen ist. Wir Deutschen stehen in der Pflicht, das Erbe unserer Vorfahren anzutreten und den Anfang für einen Weltfrieden zu schaffen, der nur vom Kaiserreich, als anerkanntes Völkerrechtssubjekt ausgehen kann.“

Manchmal stellt sich die Frage, ob unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit jeder staatsfeindliche Unsinn erlaubt ist. Ebenso stellt sich die Frage, ob überall da wo „Frieden“ draufsteht, auch Frieden drinsteckt. (K)ein Schelm der dabei gleich an die Garnisonkirche Potsdam denkt. „Führe deine Füße auf den Weg des Friedens“, lade den „Preußenprinzen“ stetig ein, huldige den Hohenzollern mit einer Kirche, tarne jede Spendenveranstaltung als Gottesdienst = tue Gutes.

Natürlich sind die Befürworter*innen des Wiederaufbaus dieses königlich-kaiserlichen Prestigebaus nicht gleichzusetzen mit den „Irren“ die nach der Monarchie schreien. Aber die Trennlinie ist unscharf, auch wenn sie gern eine ziehen würden wollen. Der Nährboden, auf dem beides im Kern gedeiht, ist zum Verwechseln ähnlich.

Parallel zum Aufmarsch von schwarz-weiß-rot nahm Brandenburgs Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) anlässlich des Volkstrauertages am Sonntag an einer Gedenkveranstaltung der Deutschen Kriegsgräberstätte in Baruth/Mark teil. Sie erinnerte an die Opfer von Gewaltherrschaft! An den Gräbern der Weltkriegssoldaten? Die Wehrmacht, die SS, SA … als jungen Menschen verführende dunkle Mächte, frei von Nationalsozialismus und deutschen Größenwahn? Die Soldaten als Opfer? Welche Antwort und Schulnote würde ein Schulkind bekommen, welches derartiges im Geschichtsunterricht sagt? „Da fehlt ja nur noch, dass du den Holocaust leugnest; 5 setzen.“

Der Volkstrauertag wurde 1919 erstmals begangen. Ursprünglich diente er im gerade untergegangenen Kaiserreich dazu, die Opfer des Ersten Weltkriegs zu ehren. Diese Opferrolle war auch der Nährboden, der zum 2. Weltkrieg führte. Nun, 75 Jahre nach Kriegsende werden „diese Opfer“ an einem staatlichen Gedenktag auch noch gleichgeschaltet mit den wahren Opfern des 2. Weltkrieges. Welch trauriger Tag. Die Deutschen sind doch echt ein Volk zum betrauen, Kaiserlos und ohne Geschichtsbewusstsein.

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