Monopoly in Potsdam

Und noch ein Investor – diesmal das Berliner Unternehmen TAMAX, was in Potsdam unterschiedliche Projekte, Nutzer*innen und Bedürfnisse gegeneinander ausspielen will.
Weil die Stadt Wohnungen braucht, weil Menschen in Kleingärten Erholung und Freiräume suchen, weil der Investor endlich Profite mit ihren irgendwann erworbenen Flächen machen will, wird ein unglaublicher und frecher Flächentausch vorgeschlagen.

So geht Monopoly in Potsdam.

Wir dokumentieren:
Die Presseerklärung der Stadtrandelfen zu den geplanten Ersatzflächen für die Kleingärten am Angergrund:

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Tank,

bereits zum zweiten Mal kommt die Habichtwiese in Bornstedt in Planungen Ihres Unternehmens vor.
Mit diesem offenen Brief, der auch zeitgleich an die beiden Lokalzeitungen und Hauptstadt TV sowie an die Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung geht, möchten wir zum neuesten Vorstoß Stellung beziehen.
Anlass ist, dass anders als in der Presse dargestellt, im schriftlichen Vorschlag zur Bebauung des Angergrundes als Ersatzfläche für die von Ihnen planierten Kleingärten am Angergrund NICHT eine Fläche AN der Habichtwiese, sondern die Habichtwiese selber als zu bebauende Fläche eingezeichnet ist.

Da gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten für diese offensichtliche Differenz: Entweder müssen Sie von Ihrem Grafiker bessere Karten zeichnen lassen oder Sie müssen eindeutiger kommunizieren, dass Sie entgegen der öffentlichen Darstellung eigentlich doch ein bestehendes, erfolgreiches Bildungsprojekt in Bornstedt aus dem Weg haben möchten, weil Sie an anderer Stelle dieser Stadt Baurecht an einer Stelle bekommen wollen, wo es im Moment und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft keines gibt.

1. Zuerst möchten wir Ihnen mitteilen, dass wir uns etwas verwundert, aber auch belustigt die Augen gerieben haben, dass die „Habichtwiese“ als Begriff Eingang in Ihre Planungen gefunden hat. Dieses Wort ist weder eine amtliche Ortsbezeichnung noch ein topographischer Begriff, sondern vor etlichen Jahren der Vereinsvorsitzenden unter der Dusche als Name für ein Projekt eingefallen.
2. Eine bereits bekannte Information für die Tamax, eine interessante Information für alle anderen Empfänger dieses Briefes: Eigentümer der eingezeichneten Fläche, auf der die Habichtwiese liegt und auf der Gärten entstehen sollen, ist gar nicht die Tamax. Sie planen also gerade mit Flächen und bieten diese als Pfand an, die anderen Menschen gehören und die von ihren Planungen bis zum Zeitungsartikel auch nichts wussten.
3. möchten wir Ihnen schreiben, worüber wir hier nicht schreiben: Über uns als Verein und unser Engagement, über unsere Ziele und Funktionen für den Stadtteil Bornstedt und die Gesamtstadt Potsdam. Wir schreiben auch nicht darüber, dass wir in diesem Jahr als UN-Projekt Biologische Vielfalt – Soziale Natur ausgezeichnet worden sind. Wir wissen sehr gut, was wir in den letzten Jahren geleistet haben, unsere Nutzerinnen und Nutzer, Kooperationspartner und finanziellen Förderer wissen das auch und Ihnen ist es sowieso egal – sonst würden Sie ja in den neuesten Planungen die von uns bewirtschaftete Fläche nicht mit Kleingärten bebauen wollen oder hätten in der Vergangenheit mal mit uns gesprochen.
Desweiteren schreiben wir nicht über den Wert von Pufferflächen zwischen dem Rand einer Stadt und dem Denkmal Lennésche Feldflur, auch nicht von der Wichtigkeit sozialräumlicher Funktionen für Erholung und Naturerleben, ebensowenig über Biodiversität und Trockenwiesen. All das gibt es in Bornstedt. Da wollen Sie ja aber eigentlich gar nicht hin, sie wollen die maximale Verwertbarkeit der Flächen am Angergrund in Babelsberg erreichen.
4. Wir sind kein Pfand, Spielball oder Druckmittel für Ihre Bauvorhaben. Ihre privaten Vorhaben in Bornstedt und Babelsberg haben aus stadt- und bauplanerischer Sicht nichts miteinander zu tun und so wird es auch bleiben. Wir begeben uns nicht in eine Position, in der von Ihrer Seite über uns verfügt und verhandelt wird.
5. Wir stehen hinter einer Stadt- und Bauplanung, die das Primat der Politik berücksichtigt. Das bedeutet für uns, dass das Aussehen und die Funktion einer Stadt in einem Zusammenspiel von politischen Diskussionen, Verwaltungshandeln und bürgerschaftlichen Auseinandersetzungen über das Zusammenleben und die Ausgestaltung des öffentlichen Raumes diskutiert und entschieden werden sollte. Privatwirtschaftliche Immobilienentwickler und Investoren kommen weder in einer konkreten gesetzlichen Grundlage zur Stadt- und Bauplanung vor noch im Grundsatz der Gewaltenteilung. Wir waren in der Vergangenheit und sind auch in Zukunft bereit, uns mit den Fachbehörden und politisch Verantwortlichen in einen demokratischen Prozess und eine Diskussion über die Zukunft der genannten Flächen zu begeben. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Fachbehörden, dem Beigeordneten und auch den in politischer Verantwortung stehenden Menschen in Fraktionen, Ausschüssen und Gremien und der SVV in Bezug auf die Habichtwiese gemacht. Diese alle waren und sind auch weiterhin unsere Ansprechpartner.
6. Wie in kaum einer zweiten Stadt wird in Potsdam auf zahlreichen Ebenen über die Zukunft der Stadt diskutiert. Wir bringen uns als Vereinsvorstand und Privatpersonen regelmäßig dazu ein, z.B. beim Prozess für ein neues Integriertes Stadtentwicklungskonzept INSEK, bei regionalen und kommunalen Themen und Gesprächsrunden, bei zahlreichen Bürgerbeteiligungsformaten und bei konkreten planerischen Aufgaben. Wir machen dies auch, aber nicht nur, um unseren gemeinnützigen Verein und unser Vereinsziel zu fördern und weiterzuentwickeln. Wir machen das auch, um diese Stadt als Einwohnerinnen und Einwohner mitzugestalten, um Menschen, die das aus vielen Gründen nicht selber können, eine Stimme zu verleihen, um Korrekturen anzuregen und Visionen zu entwickeln. Wir arbeiten konstruktiv an einer gemeinwohlorientierten Zukunft für und mit dieser Stadt mit. Wir haben noch niemals einen Vertreter Ihres Unternehmens oder sogar die Geschäftsführung bei diesen zahlreichen öffentlichen Terminen getroffen. Sie stellen Ihr Vorhaben am Angergrund, das nach Ihrer Darstellung ja nur im Zusammenhang mit den Kleingärten in Bornstedt möglich ist, als die größte städtebauliche Lösung in Potsdam überhaupt dar, als Wohltat und Segen für Stadtentwicklung, Soziales und Architektur. Wir fordern Sie auf, diese Wohltaten in offenen Gesprächsrunden mit denjenigen zu diskutieren, die sich seit vielen Jahren für ihre eigene Stadt einsetzen, denjenigen, die in der Verwaltung mit hohem persönlichem Engagement einen Spagat zwischen Nutzungsdruck und Gemeinwohl schaffen müssen, denjenigen, die eine Bürgerbeteiligung auf vielen Ebenen in dieser Stadt ermöglichen und mit denjenigen, die im Haupt- und Ehrenamt als politische Vertreter und Mitarbeiter um einen demokratischen Diskurs über Stadtentwicklung ringen. Wir sind dann bei diesen Runden mit anzutreffen.

Mit freundlichen Grüßen, der Vorstand des StadtrandELFen e.V.

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