Job an den Nagel gehangen

Advent, Advent, kein Lichtlein in der Kapelle brennt?

Frau Radeke-Engst hat ihren Job als Pfarrerin der Nagelkreuzkapelle nach längerer Krankheit an den sprichwörtlichen Nagel gehangen. Sie geht in den Ruhestand. Mal sehen, wer sich als nächstes in das Diktat und die Klauen des Alt-Bischoffs Huber begibt.

Aus diesem Anlass lässt die MAZ pünktlich zum Reformationstag die typischen Protagonisten des GK-Projektes zu Wort kommen. Gewohntermaßen fallen diese Worte bei einer Verabschiedung einer Pfarrerin wohlwollend und salbungsvoll aus.

Doch schauen wir doch mal hinter die Kulissen der Worthülsen:

„Die Profilgemeinde hat kein Gebiet mit Kirchengliedern, sondern nimmt Interessierte auf. Wer hier Pfarrer ist, muss um Mitglieder werben – wie sie Radeke-Engst es mit unzähligen Einladungen tat.“ Wie erfolgreich war sie dabei? Letztendlich gehen immer die gleiche 10-12 Schäflein dahin. Einen echten Bedarf gibt es scheinbar nicht, denn all diese Stammgäste sind auch Mitglied einer anderen Gemeinde.

„Es ist eine Schwingtür zwischen Kirche und Gesellschaft, zwischen Christen und nicht-christlichen Menschen, beschreibt Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Stiftung Garnisonkirche, die Gemeinde und die Nagelkreuzkapelle.“ Auch Unsinn. Es ist eine religiöse Einrichtung für die eigene Klientel. Wer als kleiner Teil der Gesellschaft die Gesamtheit erreichen will muss nach draußen gehen und nicht glauben, dass interne, innerreligiöse Debatten und Veranstaltung einen Öffnungseffekt haben. Die Schwingtür wurde eher als Rausschmiss-Tür verwendet. Denn immer dann, wenn wirklich diskutiert wurde, wurde dies als Störung der Religionsausübung gewertet, angemahnt oder gar angezeigt. Grundlos, wie sich später rausstellte.

„Durchschnittlich 22 Veranstaltungen im Jahr, zählte Matthias Dombert, Vorsitzender der Fördergesellschaft, in seiner Rede am Samstag auf. Dazu jährlich 55 Gottesdienste und 52 Friedensgebete. Nur wer konsequent diese Arbeit ausblende, könne den Turm-Befürwortern Revisionismus unterstellen…“ 55 Gottesdienste und 52 Friedensgebete sind für eine evangelische Kirche Standard. Das gab es auch in Kriegszeiten. Jede Woche einmal den lieben Gott anbeten und Frieden und Gerechtigkeit einfordern ist lobenswert, aber nicht übermäßig viel. 22 Veranstaltung im Jahr klingt nach Arbeit. Dafür gibt es aber eine volle Stelle seitens der Kirche und den bezahlten Apparat der Stiftung noch dazu. Das relativiert rein zahlenmäßig der Erreichte, wenn man bedenkt, dass die Kritiker*innen viel mehr Veranstaltungen und Publikationen pro Jahr umsetzen. Und dies ehrenamtlich! Übrigens Herr Dombert, die Kritiker*innen nehmen vieles was die Nagelkreuzkapelle oder der wissenschaftliche Beirat tut, als ihren Erfolg war. Die massive öffentliche Kritik war doch Ansporn für die Arbeit in der Kapelle und führte doch erst zur Einrichtung eines solchen Beirats. Von allein hätte sich doch Vieles nicht bewegt!

Ein Beispiel: Seit wann liegt den Grünzigs Buch über die Garnisonkirche in dieser Kapelle aus? Dies geschah doch nur durch öffentlichen Druck. Warum predigte die Pfarrerin in Nagelkreuzkapelle am „blutbeschmiertem“ Feldaltar, wenn doch das Nagelkreuz „Kompass“ des Handels ist? Das Eingeständnis, dass die Garnisonkirche ein Ort der Täter war, kam spät. Durch die öffentliche Kritik, bewegt sich das Projekt aus der revisonistischen Ecke langsam – sehr langsam – heraus. Das Grundkonzept von Max Klaar wurde jedoch bisher nicht wirklich verändert. Nur ein Bruch der Turmkulisse kann ein ernsthafter Beleg für eine veränderte Botschaft sein. Ein Bibelvers im Sockel ist eher ein Selbstverständnis für eine Kirche, als ein wirkliches Zeichen für einen Bruch mit der Vergangenheit und der Symbolik des Gebäudes.

Witzig ist diese Textpassage in der MAZ:

Wer immer die Nachfolge antritt, müsse „kommunikative Qualifikationen“ mitbringen. Eschenburg erwartet Bewerbungen von jungen Pfarrerinnen und Pfarrern, wenn die Stelle Mitte November ausgeschrieben wird. Immerhin wird sie oder er die Eröffnung des Garnisonkirchturms erleben.“ Wird die Eröffnung noch solange dauern, dass Frau Radeke-Engst dann schon tot ist? Oder wird sie nicht eingeladen, weil sie längst die Nase voll hat und nichts mehr mit dem Geschehen zu tun haben will?

von DER LINKE

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