Das Ende von Babelsberg – wie wir es kennen

Jetzt kommt also auch noch Libeskind.

Auf dem Gelände des Filmparks Babelsberg, quasi zwischen dem geplanten „Creative Village“ auf dem ehemaligen RAW – Gelände und dem Campus von SAP und HPI am Griebnitzsee soll gegenüber dem Bahnhof Medienstadt ein Komplex mit 4 Hochhäusern von 44 bis 66 m Höhe und IT Arbeitsplätzen für bis zu 5.000 Menschen entstehen.

In der Politik und Verwaltung der Stadt Potsdam herrschen „Enthusiasmus“ und „Begeisterung“ – wahrscheinlich wird die Bauverwaltung ihre Prioritätenliste noch mal überarbeiten, um die Bürotürme von Liebeskind an die Spitze zu setzen – bisher steht da noch der andere IT Campus auf dem RAW Gelände.

Für den ehemaligen Arbeiter*innenstadtteil Babelsberg hingegen ist das eine Katastrophe.

Er ist – allen Gentrifizierungsbestrebungen von Immobilienunternehmen wie Kirsch und Co. zum Trotz – noch immer ein von kleinteiligen Strukturen, vielen Familien mit Kindern, vielfältigen subkulturellen Szenen, kleinen Läden und Kulturprojekten geprägtes Quartier.
Das wird sich jetzt radikal ändern.

Den stadtgeografischen Begriff der Gentrifizierung lernen junge Menschen heute bereits in der Schule. In Babelsberg wird er gerade modellhaft durchgesetzt.

Leerstand und Hausbesetzungen in den 80`ern und 90` ern, Privatisierungen und Sanierungen nach der Wende, Szeneviertel für Alternative, Fußballfans und Subkultur, heute Großprojekte von Immobilieninvestoren, gleichzeitig werden Miet – in Eigentumswohnungen umgewandelt, neue möblierte Mikroappartements gebaut.

Eigentlich müssten die Bilder und Zahlen reichen, um zu sehen, was da gerade geplant wird.
Die Arbeiter*innen -, Bürger*innen – und Weberhäuser in Babelsberg, die kleinteilige Wohn – und Gewerbestruktur in der Großbeerenstraße und vorn am Rathaus, gegen die Bilder des Creative Village und jetzt der Media City.
Auf dem ehemligen RAW Gelände sollen über 2.000, in der Media City 5.000 – meist gut bezahlte IT Arbeitsplätze entstehen. Wo werden diese Menschen und ihre Familien leben und wohnen? Wie viele arbeitslose IT Techniker*innen aus Potsdam werden da endlich einen neuen Arbeitsplatz bekommen?

Auf die Stadt Potsdam hochgerechnet – bei Plattner am Griebnitz – und auf dem SAP Campus am Jungfernsee, beim IT Campus in Golm und den geplanten Bürotürmen im Kirchsteigfeld reden wir von über 12.000 neuen, gut bezahlten IT – und Büroarbeitsplätzen in der Stadt.
Wo bitte werden die in Zukunft wohnen, ihre Kinder in Kitas und Schulen anmelden, einkaufen, ihre Freizeit verbringen?
Soviel Neubau ist nirgends möglich – auch in Krampnitz nicht, wenn auch endlich klar wird, wofür die Stadt diesen neuen Stadtteil tatsächlich braucht.

Und selbst wenn nur ein Teil der neuen Arbeitskräfte mit ihren Familien und Freund*innen hier nach Potsdam ziehen wollen ist ziemlich klar: Dafür werden andere Menschen, Familien und ihre Freund*innen weichen müssen – Gentrifizierung eben, denn Babelsberg ist ja noch so schön „Szene“ und lebendig.

Mit dem von Oberbürgermeister Schubert im Wahlkampf so oft postulierten „behutsamen Wachstum“ der Stadt hat das alles nichts zu tun.

Im Gegenteil, es ist der Ausverkauf der Stadt und jetzt auch endgültig von Babelsberg an Immobilieninvestoren, reiche Mäzene und Spekulanten.
Friedhelm Schatz wird sich als Geschäftsführer und Eigentümer der meisten Grundstücke im und am Filmpark eine weitere goldene Nase verdienen, sein Kompagnon Jan Kretzschmar von der Firma KW Development ebenfalls. Mit den Eigentumswohnungen und Möblierten Mikroappartements am Filmpark haben sie ja schon kräftig verdient und vorgesorgt für das künftige Klientel.
Wolfhard Kirsch wird in Babelsberg zum dritten Mal verdienen, nach dem billigen Aufkauf und den Sanierungen der Altbauten, den Umwandlungen in Eigentumswohnungen wird er jetzt die neuen Wertsteigerungen mitnehmen – wie auch Viele andere. Die Deutsche Wohnen ist längst hier, in der Eisenbahnersiedlung, neu am Horstweg, die Weberhäuser von Puma Brandenburg in der Breitscheidstraße stehen weiter leer und warten ebenfalls auf die kommenden Wertsteigerungen.

Die Stadtspitze interessiert das eher wenig.

Sie sonnt sich lieber symbolisch in den Glasfassaden der neuen Bürotürme in Babelsberg.
Wenn sie nur halb so viel „Enthusiasmus“ in die Aufstellung von sozialen Erhaltungssatzungen, in den Schutz vor Verdrängung gesteckt hätte, sähe es heute in Babelsberg vielleicht anders aus.

Da passt es doch, dass das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Tage das kommunale Vorkaufsrecht als Instrument vor eben solchen Verdrängungen gekippt hat. Die Sektkorken haben da wahrscheinlich nicht nur bei bei Immobilieninvestoren geknallt haben. So kann sich die Stadt Potsdam die Erarbeitung von Milieuschutzsatzungen vielleicht gleich ganz sparen.

Für Babelsberg sind die eh nicht geplant. Hier wird jetzt eine neue Spirale von Aufwertung und Verdrängung in Gang gesetzt, die von dem Stadtteil nicht viel übrig lassen wird.

Aber Hauptsache, wir haben Libeskind.
Er bekommt ein neues Denkmal in seiner „2. Heimat Potsdam“ – selbst, wenn es die so gar nicht nicht mehr gibt.

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