AfD für Wiederaufbau der Kirche

In Potsdam treibt die AfD die Initiative „Mitteschön!“ an, für den originalgetreuen Wiederaufbau der Garnisonkirche zu kämpfen. In Dresden hat sie längst die Frauenkirche gemeinsam mit der NPD als ihr Aufmarschgebiet okkupiert. Und in Hamburg hat die AfD vorgeschlagen, die als Mahnmal erhaltene Nikolaikirche wieder komplett aufzubauen. Der Vorschlag erfährt jedoch scharfe Kritik.

Interessant und uns in Potsdam bekannt, ist die Argumentationslinie:

„Die Nikolaikirche teilt das historische Schicksal der Dresdener Frauenkirche. Umso mehr wünschen wir uns, dass auch die heutige Nikolairuine erfolgreich wiederaufgebaut wird“, sagte der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Wolf am Montag in Hamburg. Nach Ansicht des Politikers würde ein Wiederaufbau der heute als Mahnmal dienenden Ruine zur Belebung der Hamburger Innenstadt beitragen. „Nicht nur im Sinne eines touristischen Anziehungspunktes und Wahrzeichens – sondern auch als weiteres, hoffnungsvolles Symbol der Versöhnung“, so Wolf.

Die AfD begründete ihren Vorstoß in einem Antrag für die Bürgerschaft (Drucksache 22/6731) mit der geplanten Umgestaltung des benachbarten Hopfenmarkts. Der bislang als Parkplatz benutzt historische Platz soll nach Angaben der Stadt ein neues Gesicht bekommen und zu einem Ort mit hoher Aufenthaltsqualität werden.

Der Hamburger Holocaust-Überlebende Ivar Buterfas nannte die AfD-Pläne in einer Zeitung „Schwachsinn, ekelhaft“. Das Mahnmal der zerstörten Kirche müsse ein „Bollwerk gegen die Rechten“ bleiben, so der Initiator des 1987 gegründeten Förderkreises „Rettet die Nikolaikirche“. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft, Dirk Kienscherf, sagte zu den AfD-Plänen: „Geschichtsvergessen und gefährlich! Gerade der nicht erfolgte Wiederaufbau zeigt, wozu Naziherrschaft, Krieg und Terror geführt haben.“ So sieht es auch Norbert Hackbusch von der Linksfraktion. Er sagte: „Kein Wunder, dass so ein Gedenkort für die Folgen des Faschismus der AfD ein Dorn im Auge ist.“ Den die Kirchenreste dienen seit Jahren als Mahnmal gegen Faschismus und Krieg.

Interessant wie unterschiedlich gerade die SPD argumentiert. Spannend wäre auch zu erfahren, was der Ex-Hamburger und Neu-Potsdamer Olaf Scholz dazu sagen würde. Denn immerhin waren und sind es die spezialdemokratischen Genossen, die in Potsdam zu den Protagonist*innen des Wiederaufbaus gehörten oder  gar die Schirmherrschaft für das analoge Projekt Garnisonkirche übernommen haben.

Hier zwei Presseartikel zum Selberlesen:

https://www.katholisch.de/artikel/32615-afd-fuer-wiederaufbau-von-hamburger-nikolaikirche-scharfe-kritik

https://www.shz.de/regionales/hamburg/AfD-will-Hamburger-Nikolaikirche-wieder-aufbauen-id34842252.html

von Carsten Linke

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