Dann sollen sie doch Kuchen essen!

Am Dienstag abend premierte der Film „Schrott oder Chance – ein Bauwerk spaltet Potsdam“ von 414films im Filmmuseum Potsdam. Auf dem Podium saß anschließend u.a. Saskia Hüneke (Grüne), im Publikum der Ex-Oberbürgermeister Jann Jakobs, der auch im Film zu Wort kommt. Beide sind mitverantwortlich für die Privatisierung der Potsdamer Mitte. Ihre Aussagen gaben einen gruseligen Einblick in das Selbstverständnis der Potsdamer Politik und Verwaltung und in ihr paternalistisches Verhältnis zur Stadtbevölkerung.

In erster Linie ist ihre Wahrnehmung geprägt von Ignoranz: Es gebe doch genug Angebote in der Stadt! Höhnisches Gelächter im Saal. Saskia Hüneke verweist auf die Schiffbauergasse – offenbar hat sie noch nie versucht, dort einen Proberaum für ihre selbstorganisierte Theatergruppe zu bekommen. Potsdam platzt aus allen Nähten. Man muss nicht lange recherchieren, um den ungedeckten Bedarf an öffentlicher Infrastruktur zu erkennen – Breitensport, kulturelle und soziale Freiräume, Erholungsflächen, Begegnungsorte, Jugendclubs, Kitas, Seminarräume, Büros, Ateliers, Proberäume. Die Liste ist lang. Ob man diese Mängel eher auf fehlende Kompetenz oder auf fehlenden Willen der politischen Amtsinhaber*innen zurückführen will, sei dem Menschenbild der Leser*in überlassen.

„Dann sollen sie doch Kuchen essen!“ weiterlesen

Standpunkte

Wir dokumentieren: Standpunkte von Anita Tack/ Landtagsabgeordnete der Linken zur Stadtentwicklung in Potsdam

Die Fraktion der Linken in Potsdam bzw. die Scharfenberg – Fraktion hat ja gerade in letzter Zeit wieder Positionen zur Stadtentwicklung bezogen (und so auch abgestimmt!), die etwas seltsam sind. Sie sind gegen Erbbaupacht in Krampnitz, wollen weiter städtische Immobilien verkaufen, finden die RAW Pläne gut und Vieles mehr.

Wohltuend heben sich dagegen schon länger die Positionen der Landtagsabgeordneten Anita Tack ab. Sie hatte uns als Netzwerk „Stadt für alle“ auch zur Expertenanhörung in den Landtag eingeladen.

Hier dokumentieren wir drei Presseerklärungen zu aktuellen kommunalen Streitthemen: Rechenzentrum, Brache der Fachhochschule und Havelspange.

190426 PE Rechenzentrum

190424 PE Begrünung FH

190401 PE Havelspange AIL

Albrechts Architektur-Euthanasie – ein Kreuzzug

Der Architekt Thomas Albrecht weiß was schön ist und was nicht – zumindest glaubt er dies.  Dieser Glauben basiert auf Gott und sich selbst. Die MAZ hat ihn zur Garnisonkirche interviewt.

„Schön“ ist eine stark individuell geprägte Kategorie der Bewertung von Wahrgenommenem. Diese Reflektion ist aber verankert in gesellschaftlich geprägten Wertvorstellungen. Religiöse Konventionen sind ein Aspekt  dieser Wertematrix. Wenn sich also ein katholisch geprägter Architekt äußert, sollte es niemanden verwundern, wenn eher ein antiquiertes, herrschaftliches und patriarchisches Weltbild als Maßstab der Bewertung zum Vorschein kommt. Überraschend ist lediglich, dass sich Albrecht offen zur Gebäudevernichtung – also der „Architektur-Euthanasie“ bekennt und gar nicht wahrnimmt (oder wahrnehmen will), wie sehr er dabei ideologisch und egomanisch geprägt ist.

„Albrechts Architektur-Euthanasie – ein Kreuzzug“ weiterlesen