Hauptsache „schön“

Soziale Fragen waren und sind in Potsdam kein Ziel von Stadterneuerung

Das Hausprojekt in der Wollestraße 52 ist daran gescheitert, die Menschen in der Wichgrafstraße 11 dürfen nicht auf die Unterstützung der Stadt hoffen, in der Teltower Vorstadt herrscht weiter Angst vor Verdrängung.

Dafür ist es überall „schön“ geworden in Potsdam. In Potsdam West, in Babelsberg, in der Innenstadt – überall strahlen frisch sanierte Fassaden im farblichen Original, selbst die Details erinnern an die barocke Herrlichkeit der Stadt.

Nun hat ein Gutachten der Verwaltung quasi die Beweisführung dafür geliefert, wie die kommunale Politik in den letzten 30 Jahren die Stadtfassaden erneuert und gleichzeitig soziale Auswirkungen die gesamte Zeit ignoriert hat.

Hier ist das gesamte Dokument:

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In Potsdam scheitert erneut ein Gemeinschaftsprojekt

Wir dokumentieren: Die Presseerklärungen des Hausprojektes Wollestraße 52 und des Beratungskollektivs des Mietshäusersyndikats.

Heute hat die Hausgruppe des Syndikatsprojektes „Wollestraße52“ erklärt, dass sie einen Kaufvertrag unter den aktuellen Bedingungen nicht unterzeichnen kann. Damit ist ein Gemeinschaftsprojekt gescheitert, um das fast 5 Jahre mit viel Kraft und Leidenschaft gerungen wurde.

Leider symbolisiert dieses Scheitern auch und vor allem den Umgang mit Ideen und Konzepten gemeinschaftlichen, sozialen Wohnens in Potsdam. Fast alle in den Erklärungen beschriebenen Gründe stehen für das Misstrauen, die Hürden und falschen Strukturen gegenüber solchen Wohnformen. Potsdam ist keine „Modellstadt“ gemeinschaftlichen Wohnens, wie es ein Forschungsprojekt formulierte, sondern eine Stadt, die fast ausschließlich Immobilienfirmen und internationalen Investor*innen den „Roten Teppich“ ausrollt.

Das ist ein trauriges Ergebnis.

Natürlich gehört auch das zur Geschichte dieser Stadt:

30 Jahre Hausbesetzungen in Potsdam

Wir dokumentieren: Das Plakat zum Jubiläum – 30 Jahre Hausbesetzungen in Potsdam.
Barocke Fassaden – oft auch in kompletten Kopien, DDR Geschichte – ungeliebt und gern ignoriert, Villen und Plattenbauten – Potsdam hat eine wechselvolle Geschichte.

Das neue Plakat erinnert daran, wie wichtig Hausbesetzungen für diese Stadt waren und sind: Sie haben Häuser vor dem Abriss gerettet, sie haben Kulturprojekte gesichert, sie boten und bieten Menschen bezahlbaren Wohnraum, sie sind Grundlage für viele legale Hausprojekte heute und es gibt sie noch heute. Die „la datscha“ ist Potsdams besetztes Haus am Havelufer, in der Feuerbachstraße wurde erst vor wenigen Wochen mit einer Besetzung an Leerstand und Verdrängung erinnert.

Das Plakat gibt es in wenigen Tagen auch in Printform im Sputnik und an vielen anderen Orten der Stadt. Und 2020 gibt es ganz bestimmt neue Besetzungen, neue Aktionen dafür, eine „Stadt für alle“ zu schaffen.

Die Stadt dokumentiert ihr eigenes Versagen

Wir dokumentieren: Die Erklärung der Mieter*innengemeinschaft der Wichgrafstraße 11 zum fehlenden Milieuschutz in Babelsberg.

Besser kann man es eigentlich nicht deutlich machen, wie eine soziale Wohnungspolitik in Potsdam 25 Jahre gescheitert ist.
Die Stadtverwaltung hat das Ergebnis einer rechtlichen Prüfung eines möglichen Vorkaufsrechts der Stadt im Falle der Mieter*innen in der Wichgrafstraße 11 in Babelsberg präsentiert: “ Auf den Milieuschutz kann sie sich nicht berufen, weil die Zusammensetzung der Babelsberger Einwohnerschaft nie genauer erforscht worden ist. „, schreibt die MAZ am 18.09.2019.

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Laborstadt Potsdam?!

Ein Forschungsprojekt zu Gemeinschaftsprojekten in Potsdam und anderswo

Am 20. Juni 2019 stellten verschiedene Forschungsinstitutionen von DIFU über ITZ bis hin zu Plan & Praxis die wirklich spannenden Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojektes zu „Gemeinschaftlichen Wohnprojekten“ vor.

… seltsamerweise war Potsdam eine der Schwerpunktstädte.

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Beschlossen: Das neue Wohnraumfördergesetz

Zum ersten Mal in einem solchen Gesetz: Die Förderung gemeinschaftlicher, nichtkommerzieller Wohnprojekte

Zum ersten Mal war das Netzwerk „Stadt für alle“ zu einer Expert*innenanhörung in den Landtag Brandenburg geladen. Es ging um das neue Wohnraumfördergesetz.
Jetzt wurde eben dies beschlossen.
Und: Zum ersten Mal enthält ein solches Landesgesetz explizit die Förderung gemeinschaftlicher, nichtkommerzieller Wohnprojekte.
Immerhin.

Wir dokumentieren: Die Presseerklärung von Anita Tack / Linke, die uns eingeladen hatte und unsere Rede bei der Anhörung:

PE Wohnraumförderung

Rede Anhörung neu

 

Potsdam kann auch anders….

…, wenn gemeinschaftliche Projekte investieren wollen.

Wir hatten darüber berichtet: Der Verein „Machbarschaften“ hat sich um ein Grundstück in Babelsberg beworben – für ein großes, soziales Gemeinschaftsprojekt.
Fast ein Jahr verging, dann kam die Nachricht: Leider alles falsch, die ganze Ausschreibung und inzwischen haben wir ja ein neues – höheres Wertgutachten.
Der Verein hatte noch mal nachgefragt (siehe Schreiben „Machbarschaften) und hat jetzt eine Antwort vom KIS (siehe Antwortschreiben) bekommen.
Eine Interpretation erübrigt sich.
Leider hat ein solcher Verein weder einen lettisch – zypriotischen Investor im Rücken, noch ist es die „Deutsche Wohnen“.

So was geht in Potsdam nicht.

Fragen Machbarschaften

KIS an Machbarschaften