Was? – Wir brauchen gar keine Media City in Babelsberg???

Wer hätte das gedacht.
Investor Jan Kretzschmar, die Stadt und die Wirtschaftsförderung stellen fest: Das gigantische Projekt „Media City“ auf dem Filmpark Babelsberg wird nicht mehr gebaut und gebraucht. „Es ist nicht mehr ganz zeitgemäß, an dieser Stelle die Büroflächen in dieser Höhe und Masse hinzubauen“, sagte Jan Kretzschmar der MAZ.

Wir erinnern uns.
Mit einem riesigen Getöse und viel Prominenz wurde 2021 der Bau eines 66 hohen Büroturms direkt am Filmpark verkündet. Der berühmte Architekt Daniel Libeskind hatte ihn entworfen und entstehen sollten 5.000 Arbeitsplätze.
„Mit dem neuen Büroensemble schaffen wir nicht nur weitere benötigte Büroflächen für die Medienstadt, sondern machen Babelsberg durch diesen Eyecatcher von internationaler Strahlkraft noch attraktiver.“ lobten sich Stadt und Investor. Und die Wirtschaftsförderung Potsdam beeilte sich zu versichern: „Die dynamische Entwicklung in der Medienbranche und die damit verbundene Bedeutung von Babelsberg als Wirtschaftsstandort und die zukunftsgerechten Weiterentwicklung der Medienstadt ist mit großen Chancen für ganz Potsdam verbunden.“
Vergl: https://www.potsdam.de/de/daniel-libeskind-praesentiert-erstmals-entwurf-fuer-die-media-city-babelsberg

Natürlich gab es Proteste und Widerspruch – nicht nur von „Stadt für alle“.
Eine engagierte Bürgerinitiative stellte fest, dass es dafür gar keinen gültigen Bebauungsplan gab. Heute wissen wir, das gilt praktisch für alle Bauprojekte von Kretzschmar rings um den Filmpark
Und viele Expert*innen formulierten bereits damals, was wohl heute auch bei Investor und Stadt angekommen ist:

Peter Effenberg, Geschäftsführer des Media Tech Hub Potsdam: „Ich habe selten einen so absurden an der Realität vorbei gehenden und einen grandiosen Film- und Wirtschaftsstandort gefährden Entwurf gesehen“.

Vorstand des Fördervereins Baukultur Brandenburg: „Dekonstruktivismus in dieser Dimension, wie er von Libeskind seit Jahren geprägt wurde, mag in den Metropolen passen, ist hier aber verfehlt, um eine zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit zu liefern.“

Die Fachzeitschrift Bauwelt Nr. 2.2022 vom 21. Januar verweist: „Wer auf diese Seite kommt, der hat es geschafft – im negativen Sinne“, sagt John, denn „dort wird gewissermaßen die ,Zitrone’ verteilt. Abschreckende Beispiele aus Architektur und Stadtplanung – und die ganze Republik lacht darüber. Jetzt also Potsdam mit der Medienstadt.“ … und: „Kann diese Hässlichkeit nun einfach weitergeplant werden?“

Aber:

Natürlich konnte vor 5 Jahren niemand wissen, dass es in Berlin und Potsdam genug Leerstand an Büroflächen gibt.
Natürlich konnte vor 5 Jahren niemand wissen, dass es in Potsdam keine tausenden arbeitslosen IT Techniker gibt.
Natürlich konnte vor 5 Jahren niemand wissen, dass nicht die ganze IT Welt nur darauf wartet, ausgerechnet nach Potsdam zu kommen

Und natürlich war auch niemanden klar, dass das mit der nötigen Verkehrsanbindung (Bahnhof und Übergang Medienstadt), dem benötigten Wohnraum und der sozialen Infrastruktur nicht funktionieren kann.

2021 haben einfach (fast) alle gefeiert – und über die Kritiker empört den Kopf geschüttelt.
Dabei hatten wir – wieder einmal – völlig Recht mit unserer Kritik an diesem gigantischen Unsinn.

Nun will Jan Kretzschmar lieber Wohnungen bauen.
Das kann er in Potsdam besonders gut, auch auf dem Filmpark – Gelände. in der Regel werden dies möblierte Mikroapartments, Eigentumswohnungen oder völlig überteuerte Luxus – Mietwohnungen gebaut.
Zu erwarten ist, dass Stadt und Politik dies toll finden und feiern.
Weil sie natürlich schon immer gewusst haben, dass genau dies in Potsdam gebraucht wird.

Für uns gibt es deshalb eine ganz andere spannende Frage:

Wann verkündet der Investor M. Zeligman das Aus des „Creative Village“ auf dem ehemaligen RAW – Gelände?
Seit drei Jahren gibt es nun eine Baugenehmigung und passiert ist genau:
Nichts.

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