Seien wir ehrlich: Das haben wir doch nicht anders erwartet. All die vollmundigen Versprechungen einer neuen lebendigen und vielfältigen Mitte haben wir doch nie geglaubt. Die tollen Poster vom Leitbautenkonzept, die Schwüre von Saskia H., dass die neue Mitte nicht nur schön, sondern auch grün und sozial würde, die Phrasen von SPD und CDU von der „behutsamen Annäherung an die historische Mitte“ hielten Viele die ganze Zeit für Marketing und Politikersprech.
Trotzdem: Das uns die bittere Realität über den barocken Wiederaufbaus der Stadtmitte in Potsdam aber so schnell und so konsequent einholen würde hätten wohl die wenigsten gedacht.
Nun aber haben SPD und CDU einen Maßnahmenkatalog für die Konsolidierung des Haushaltes in Potsdam vorgelegt und darin vorschlagen, das Geländes des ehemaligen Staudenhofs doch nicht wieder mit Sozialwohnungen zu bebauen, sondern ebenfalls an private Investoren zu verkaufen und die teuren zukünftigen Mieten der frei statt sozial finanzierten Wohnungen für den Haushalt abzuschöpfen.
Damit haben sich alle Befürchtungen bewahrheitet, welche Kritiker*innen eines Abrisses des Blocks mit 179 kleinen Sozialwohnungen seit Jahren vorgebracht hatten.
Immer wieder gab es heftige Debatten, große stadtpolitische Initiativen – wie die BI „Retten wir den Staudenhof“, eine große, überregional unterstützte Petition, ein Stadt – und Klimacamp mit tausenden Menschen.
Egal.
Über Jahre haben vor allem SPD und CDU – und ja auch die Grünen – den Abriss zugunsten eines barocken Wiederaufbaus gefordert und durchgedrückt.
Das zentrale Argument für die (im Vergleich zur Sanierung schon 2020 doppelt so teure) Abriss- und Neubau-Variante des Block V – Staudenhof – war immer die Schaffung von WBS-tauglichem Wohnraum. Dabei schworen gerade die beiden Fraktion, von denen nun der Haushaltsvorschlag kommt, Stein und Bein, es würde am Ende insgesamt mehr Wohnraum geschaffen werden als der Staudenhof bereitstellte und davon 75 % Sozialwohnraum. Ein paar Jahre später waren es dann noch 70 %. Zwischenzeitlich klammheimlich nur noch 65 %.
Nun kommen gar keine.
Und die Gewerbeflächen werden weiterverkauft, die Stadtmitte noch weiter privatisiert.
Wer sich seit Jahren die wiederkehrenden Debatten in der Stadtverordnetenversammlung anhören musste und in Erinnerung ruft kann nur zu einer Schlussfolgerung kommen: Alles Lügen.
Dabei ist dieser Plan für das Gelände des ehemaligen Staudenhofs nur der vorläufige Höhepunkt einer traurigen – wenn auch vorhersehbaren Entwicklung im barocken Fakequartier in der Stadtmitte von Potsdam.
Die Mehrheit der völlig überteuerten Gewerbeflächen steht weiter leer und verbreitet vor allem Abends eher Tristesse, denn Lebendigkeit. Allein die Genossenschaft „Karl Marx“ hat deswegen bisher über eine halbe Million Euro an Minus eingefahren und muss inzwischen selbst Wohnungen verkaufen.
Andere Projekte wie das der Seastone Investment GmbH in der Schwertfegergasse sind insolvent, übrig bleiben Bauruinen. An vielen Stellen sind jetzt schon Baumängel zu sehen, ein Teil der Anschlüsse muss komplett neu verlegt werden und selbst der Chef von Condor Wessels bilanzierte, sich an einem solchen Vorhaben – mit barocken Fassaden, Tiefgaragen und der Forderung nach bezahlbaren Mieten nie wieder beteiligen zu wollen. Das geht einfach nicht.
Die Potsdamer Mitte und ihr ach so überragend wichtiges Leitbautenkonzept war von Anfang an das falsche Konzept.
Historisierende Stadtentwicklung, Abrisse nutzbarer Gebäude, die Privatisierung kommunalen Eigentums, die Ignoranz des Engagements vieler Menschen dieser Stadt für den Erhalt von Fachhochschule, Staudenhof und anderen Gebäuden – selbst überregionale Medien wie die FAZ halten das Potsdam seit Langem vor.
SPD und CDU haben daran trotzig festgehalten – um jetzt klar zu machen, dass ihre Versprechungen nicht mal das Geld für die bunten Werbeplakate rund um die Baustellen wert waren.
Das ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten.
Und abseits der stadtpolitischen Katastrophe ist es ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich in Potsdam seit Jahren für eine andere Stadt einsetzen.
Schämt Euch.
