Damit ist schon ganz gut zusammengefasst, wie ein Großteil der öffentlichen Informationsveranstaltung zu den Plänen von Land, Stadt, Universität und Hasso Plattner Stiftung auf dem Campus Griebnitzsee abgelaufen ist.
Im Grunde sprachen die Vertreter*innen von Stadt, Uni und HPI auf der einen Seite und Aktivist*innen des neuen Bündnisses „Wir sind die Stadt“ völlig unterschiedliche Sprachen.

Natürlich waren die Perspektiven von Anfang an verschieden.
Hier die Begeisterung und teilweise Lobhudelei vom Wirken eines Mäzens und Milliardärs für Potsdam.
Dort die Forderung, Hasso Plattner solle einfach regulär Steuern zahlen, dann bräuchte es solche Geschenke wie den neuen Campus auf dem Brauhausberg gar nicht.
Hier die schön mit KI generierten Hochglanzfolien, auf denen versprochen wurde, es gäbe am Ende auf dem Brauhausberg mehr Fläche als am Griebnitzsee.
Dort die kurze nüchterne Berechnung einer Architektin, die nachwies, dass das nicht stimmen kann, es wird weniger Fläche.
Hier das Versprechen, es gäbe am Ende mehr Wohnheimplätze für Studierende.
Dort die insgesamt fünfmalige Nachfrage, ob die rechtssicher vertraglich geregelt sei – was am Ende niemand bestätigen konnte.
Hier die Darstellung der Unirektors, wie tolle Studierende einbezogen worden sein.
Dort die klare Aussage einer Studierendenvertreterin im Stupa und im Senat, dass sie nie gefragt wurden und sich die Mehrheit der Studierendenvertretungen klar gegen das Projekt ausgesprochen haben.
Hier der Lob eines Beteiligungsprozesses, der alle mitnehmen werde.
Dort die Folie des sogenannten beschleunigten Verfahrens, in den deutlich wurde, es gibt Infoversanstaltungen und nichtöffentliche Werkstätten. Reale Beteiligung sieht dieses Verfahren gar nicht vor.
Hier die wiederholte Aussage, Plattner werde alles bezahlen.
Dort die natürlich unbeantworteten Fragen, wer Folge – , Erschließungs – und Verkehrskosten tragen wird.
Die ganze Veranstaltung blieb im Grunde im Vagen, konkrete Aussagen wurden tunlichst vermieden, den Vortrag des Unirektors, wie schön alles werden würde, hätte man auch für jeden anderen Unistandort in Deutschland halten können.
Es ist offensichtlich, dass die Grundentscheidungen längst in kleiner Runde getroffen wurden und es ab heute nur noch um die Abarbeitung eines mehr oder weniger lästigen Planungsporzesses geht. Dabei wurden gleich mehrmals Aussagen zur Geschichte des Projektes getroffen, die so nicht stimmen können. Wir erinnern uns, dass Hasso Plattner schon mehrmals versucht hatte, das Gelände am Griebnitzsee zu übernehmen, um sein HPI zu erweitern, vor wenigen Jahren war er mit dem Plan, die Wohnheime dort zu kaufen noch gescheitert. Den Kreml auf dem Brauhausberg hat nicht die Hasso Plattner – Stiftung gekauft, sondern ein langjährigen Geschäftspartner – Jan Kretzschmar mit seiner KW Development. Den Plan, damit quasi einen Flächentausch vorzuschlagen und vorzunehmen gibt es dementsprechend schon länger. Heute wurde uns das aber als Idee der Kulturministerin Manja Schüle verkauft.
Gut, dass es gegen diese Pläne heute massiven Protest gab – vor dem Gebäude und lautstark und inhaltlich gut vorbereitet auch im Hörsaal.
Hier dokumentieren wir die Pressemitteilung des Aktionsbündnisses „Wir sind die Stadt“ von heute Abend.
Pressemitteilung zum den Veranstaltungen und Aktionen um den Deal mit Hasso Plattner
Anlässlich einer öffentlichen Veranstaltung zu den Plänen, auf dem Brauhausberg in Potsdam einen neuen Unicampus zu errichten hat ein neues Aktionsbündnis auf einer Kundegebung und während der Veranstaltung massive Kritik an den Plänen geübt.
In dem Aktionsbündnis „Wir sind die Stadt“ arbeiten Studierende und Mitarbeiter*innen der Universität Potsdam mit, die Bürgerinitiative Telegrafenberg, das Netzwerk „Stadt für alle“, die „Studis gegen Rechts“, der BUND sowie Menschen aus einzelnen Parteien und Wählergemeinschaften der Stadt zusammen.
Insbesondere kritisieren sie den geplanten Verkauf der Unigeländes am Griebnitzsee an das Hasso Plattner Institut und die Übernahme öffentlicher Aufgaben durch einen Milliardär und Mäzen.
An der Kundegebung vor dem Eingang zum (noch) Unigebäude nahmen rund 50 Menschen teil.
Auf Transparenten, Schildern und mit Sprechchören wurde unter anderem gefordert, dass Hasso Plattner endlich Steuern zahlt. Der BUND dokumentierte auf Plakaten einen Flächenvergleich, der deutlich machte, dass die Flächen auf dem Brauhausberg niemals die Flächen am Griebnitzsee ersetzen können und gleichzeitig die Inanspruchnahme von Naturraum erfordert.
Die kritischen Fragen und Beiträge bei der Veranstaltung bemängelten unter anderem das beschleunigte Verfahren, was reale Beteiligung der Menschen in der Stadt kaum möglich macht. Deutlich wurde, dass Viele den Einfluss von Mäzenen wie Hasso Plattner auf die Stadtentwicklung insgesamt kritisch sehen. Es ist mehr als offensichtlich, wie stark die Entwicklung in Potsdam von den Millionen für das Stadtschloss, den barocken Wiederaufbau oder eben die universitäre Entwicklung abhängen.
Wie wenig dabei die Bedürfnisse der Studierenden Berücksichtigung finden wurde an der Debatte über völlig unterschiedlicher Zahlen von Wohnheimplätzen – nach diesem Deal – deutlich.
Auch über die angebliche Beteiligung von Studierendenvertretungen konnten Anwesende aus eben diesen Vertretungen nur den Kopf schütteln.
Viele der anwesenden jungen Menschen machten deshalb ihren berechtigten Unmut auch lautstark Luft.
Für das Aktionsbündnis „Wir sind die Stadt“ war dieser Tag erst der Beginn ihres Engagement für eine andere Stadt. Wir werden uns auch in den nächsten Wochen und Monaten auf kreative, lautstarke und fundierte Weise in die Debatte einbringen, bei der es eigentlich um die Kernfrage von Stadtentwicklung geht: Wem gehört Potsdam?
Die Antwort an diesem Tag war deutlich zu sehen und zu hören: Die Stadt gehört den Menschen, nicht reichen Mäzenen!
Die Verantwortlichen können sich sicher sein: Es wird weiteren Widerstand geben!
Kontakt und Informationen:

Zitat: „Hier die Begeisterung und teilweise Lobhudelei vom Wirken eines Mäzens und Milliardärs für Potsdam.
Dort die Forderung, Hasso Plattner solle einfach regulär Steuern zahlen, dann bräuchte es solche Geschenke wie den neuen Campus auf dem Brauhausberg gar nicht.“
Ich wünsche mir auch das Paradies. Und wenn ich es nicht bekomme, setzte ich mich hin und schmolle, oder ich protestiere einfach so lange, bis ich es bekomme.
Ich verstehe und befürworte sehr wohl einen kritischen Umgang mit Entwicklungen in Potsdam und sehe auch die die z. B. durch Engagement und Widerspruch erkämpften Projekte, wie das Rechenzentrum.
Aber das Prinzip „Dagegen“ ohne den Blick auf die Realität (Potsdamer haben keinen Einfuss auf die Steuergesetzgebung) ist wenig hilfreich, so wie das Zerstören von Energiekabeln.
Hey Cecile, hast Du meinen Bolzenschneider eigentlich noch im Kofferraum?
Ach so,
in der DDR war es viel besser, denn da gab es keine Reichen und die Unterschiede waren verschwindend gering. Außerdem war der Kommunismus schon in Sicht. „Jeder nach seinen Bedürfnissen“.
Auch so ein unrealistisches Wunschkonzert.
Niemand wird dem widersprechen, dass der Kapitalismus ungerecht, profitorientiert und menschenverachtend ist. Aber das wird nicht dadurch geändert, dass man sich in Potsdam einer Investition in die Bildung aus Prinzip verweigert, Aber man kann sich dann als integrer Mensch fühlen, der hoch über der Realität schwebend für das allgemeine Menschenwohl kämpft.
Ach so.
Dieser Blog wird übrigens ehrenamtlich betrieben und nicht von bezahlten Redaktionen, die vor Angst, was Falsches zu sagen nix mehr Kritisches veröffentlichen.
Und deshalb sind gaaanz viele Menschen hier auch ganz nah am Alltag und der Realität.
Hier geht es um die Fragen und Bedürfnisse der Studierenden, die entgegen der offiziellen Darstellung nie gefragt worden, deren wenige Wohnheimplätze natürlich nicht rechtssicher bewahrt bleiben.
Hier geht es um Folge – und Erschließungskosten, die nicht klar sind.
Hier geht es um Beteiligung, die hier ein reines Placebo ist.
Hier geht es eine Stadt, die immer mehr von reichen Mäzenen geprägt wird, denn von den Menschen hier.
Vielleicht ist eine „Stadt für alle“ in dieser gesellschaftlichen Realität wirklich ein Traum.
Er wird aber auch nicht leichter zu verwirklichen sein, wenn Menschen wie Sie kritiklos jede Privatinvestition euphorisch – begeistert beklatschen.
Oh, was für eine fundierte und sachorientierte Argumentation!
Journalisten sind also Menschen, die unkritisch sind, es sei denn, sie arbeiten ehrenamtlich.
Klare Weltanschauung
Die seit Jahren existierende Brache ist des Brauhausbergs als Spekulationsobjekt hat keinen Protest hervorgerufen, aber wenn dort wieder studentisches Leben einziehen soll (was ja vorher durch die schöne Potsdamer Disneyland-Fassade vertrieben wurde), dann setzt sich die Kommune zusammen und diskutiert zehn Jahre im Plenum, wie dies mit dem Weltfrienden in Einklang gebracht werden kann.
Die Aussage „wenn Menschen wie Sie kritiklos jede Privatinvestition euphorisch – begeistert beklatschen“ ist ein schönes Beispiel für die Art des Diskurses. Statt undifferenziert und polemisch andere Meinungen zu diffamieren (auch als unbezahlte Redaktion kann man wohl mit Kritik nicht umgehen). So bleibt dieses Forum doch nur eine Echokammer, für Menschen, die sich gutfühlen wollen, weil sie auf der richtigen Seite stehen.
Reiche Menschen existieren, ob wir es wollen oder nicht. Und ich bin auch für eine Erbschaftssteuer, so wie sie die Linke gerade vorgeschlagen hat. Aber das wird nicht in Potsdam entschieden.
Jedoch wird in Potsdam entschieden, wie sie „von reichen Mäzenen geprägt wird“. Und da ist es mir lieber, dass in Potsdams Mitte ein Universitätscampus entsteht, anstatt weiterer Disneyfassaden, wie dem Fortunaportal-Nachbau, der pseudohistorischen Innenstadt und dem Landtag, dessen Äußeres das Demokratieverständnis eines Landtags (hoffentlich nicht) verkörpert.
Ich finde es gut, dass es in Potsdam „Die aNDERE“, das Freiland und das Rechenzentrum gibt. Aber Realitätssinn und Kritik müssen erlaubt sein.
So, das war nun mein letzter Beitrag für diesem Selbstbespieglungssaal, in dem Wissen, dass es neben dem Protest um des Protestes Willen auch viel realitätsbezogenes Engagement und konkretes soziales Handeln gibt. Gilt auch für mich.
Sollte wohl „Bauzaun“ heißen ;-), oder ist die Stadt gemeint, die die Rechten eher richtig schreiben können.