Heute, am Freitag, dem 15. Mai 2026 haben Dutzende Menschen das Haus in der Tornowstrasse 40 in Potsdam – auf der Halbinsel Herrmannswerder besetzt.
In einer ersten Reaktion der Stadt erklärte diese, die Besetzung vorläufig zu dulden.

Wir dokumentieren die Pressemitteilung der Besetzter:innen:
Die Häuser denen die sie brauchen
Heute am 15.05.2026 haben wir die Tornowstraße 40 in Potsdam besetzt. Seit Jahren lässt die Stadt Potsdam hier dringend benötigten und theoretisch sofort bezugsfertigen Wohnraum leerstehen. Da die Stadt und auch die Bürgermeisterin ihrem Versprechen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, nicht nachkommen, handeln wir nun selbst. Seit heute ist das Haus selbstbestimmt wieder als Wohnraum nutzbar gemacht, entlastet so nicht nur den Wohnungsmarkt, sondern soll auch einigen Potsdamer*innen von nun an ein Zuhause bieten. Wir laden euch ein vorbeizukommen, mit uns ins Gespräch zu kommen und euch selbst von unserem Projekt zu überzeugen.
Die Wohnraumkrise in Potsdam ist bereits völlig aus der Hand geraten. Die Mieten steigen immer unverhältnismäßiger und werden für viele Menschen hier unbezahlbar. Wohnungslosigkeit ist auf dem Vormarsch. Gentrifizierung zerstört die soziale Durchmischung und gefährdet den sozialen Frieden. Die Stadt Potsdam, die in dieser prekären Situation eigentlich mindestens mit gutem Beispiel voran gehen sollte, lässt stattdessen dutzende ihrer Immobilien leerstehen. Allein hier am Hermannswerder mindestens 3 Häuser, da dort in den nächsten Jahren (oder auch erst Jahrzenten) privaten Investoren Tür und Tor geöffnet werden sollen. Die Potsdamer Bevölkerung bleibt hierbei mal wieder auf der Strecke. Konkrete Pläne gibt es noch nicht, allerdings wurden hier präventiv bereits alle Immobilien entmietet, seit Jahren zwar weiter mit Wasser und Strom versorgt, aber absichtlich leerstehend belassen. Das ist ein Skandal! Insbesondere im Angesicht der unzumutbaren Situation auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt. Heutzutage eine halbwegs bezahlbare Wohnung in unserer Stadt zu finden ist, wie viele Potsdamer*innen selbst erfahren müssen, zu einer großen Herausforderung geworden.
Unsere Stadt ist in Puncto Mietspiegel die acht-teuerste der Bundesrepublik und die teuerste ganz Ostdeutschlands. Trotz vieler Versprechungen, eine Verbesserung für die hier lebenden Menschen zu erreichen, gehen die tatsächlichen Maßnahmen der Stadtpolitik eher in eine andere Richtung. An der Tagesordnung ist eine traurige Priorisierung von Investor*innen vor Mieter*innen und von Tourist*innen vor Potsdamer*innen. Diese zeigt sich auch an vielen anderen Stellen: Die teuren Rehistorisierungspläne der Altstadt werden oft auf Kosten von tatsächlicher Kultur mit tatsächlichem Mehrwert für Potsdamer*innen umgesetzt, wie man am Beispiel der Räumungspläne des Rechenzentrums zugunsten des Wiederaufbaus der Garnisionkirche sehen kann. Auch die strengen Restriktionen in Potsdamer Parks und das Betretungsverbot der Grünflächen der SPSG mindern die Lebensqualität von Menschen, die hier wohnen, erheblich. Diese sind aber nur die Spitze des Eisberges eben dieser unsozialen Stadtpolitik, denn es geht um mehr als unsere Freizeit und Kultur. Es geht um eines unserer grundsätzlichsten Bedürfnisse: um Wohnraum.
Da die Stadt nicht handelt, haben wir die Initiative ergriffen, unsere Vorstellung einer gerechten Wohnpolitik umzusetzen: Wenn am gleichen Ort bezugsfertige Häuser leerstehen, an dem Menschen dringend einen Platz zum Wohnen brauchen, ist keine komplizierte Lösungsstrategie nötig, sondern es sollte das naheliegendste getan werden. Die Menschen sollten in die Häuser einziehen. Wenn die Stadt ihrer Verantwortung nicht nachkommt und bestehende Häuser bewusst spekulativ zurückhält, anstatt sie zu vermieten, dann müssen wir sie uns selbst nehmen. Eine Besetzung ist für uns das letzte Mittel der Wahl und die direkte Konsequenz aus dem Versagen der Potsdamer Politik, angemessen für die Stadtbevölkerung zu sorgen.
An diesem Ort wollen wir nun ein Gegenbeispiel zum Status Quo aufbauen: Wohnraum nicht als Spekulationsobjekt, sondern von und für die Menschen aus unserer Stadt. Wir wollen solidarisch und sozial zusammenleben und so vielen Menschen wie möglich in unserem Haus und dem umliegenden Grundstück einen Ort zum Wohnen, zum Zusammenkommen und zum Leben bieten. Wir leisten damit unseren Beitrag gegen die akute Wohnraumkrise und zeigen sowohl der Stadtpolitik als auch den hier lebenden Menschen wie eine gerechte Wohnungspolitik aussehen sollte. Außerdem haben wir die Verantwortlichen der Stadt über unsere Aktion informiert und sie dazu eingeladen, mit einer Duldung des Projekts ebenfalls einen Beitrag zur Entschärfung der Wohnsituation in Potsdam zu leisten.
Unsere Hoffnung und Absicht ist nicht nur hier dauerhaft neuen Wohnraum zu schaffen, sondern auch einen generellen Rückgang von Leerstand in unserer Stadt zu erreichen. Entweder durch ein Umdenken der Stadtpolitik oder eben dadurch, dass sich weitere Menschen die Ignoranz der Stadt nicht mehr gefallen lassen und selbst handeln.
Wir freuen uns auf viele Besucher*innen und ein schönes Zusammenleben!
Eure Potsdamer Nachbar*innenschaft
Dies ist die Mail an die Stadt zum Nachlesen.
