Wir sind die Stadt – und nicht reiche Mäzene wie Hasso Plattner

Seit Jahren wird die Stadtentwicklung in Potsdam von Menschen geprägt, die viel Geld haben und damit Einfluss darauf nehmen, was abgerissen und gebaut, wo investiert wird und auch, was nicht gemacht wird.

Das Neubau des Stadtschlosses und damit der Beginn des barocken Rekonstruktion der gesamten Stadtmitte wäre wohl nie umgesetzt worden ohne die Millionen von Jauch, Plattner und anderen. Ohne Condor Wessels und wieder Hasso Plattner – wie sähe es heute an der Alten Fahrt aus, gäbe es kein Privatmuseum Barberini.

Als die Fachhochschule abgerissen werden sollte bot die Stadtgesellschaft 6 Mio. €, um daraus ein Haus für eben diese zu machen. Keine Chance, das waren ja keine reichen Mäzene.
Das berühmte Terrassenrestaurant Minsk stand vor dem Abriss, wie gehabt hatte die Stadt weder die Mittel noch den Willen, dort mehr zu machen, als abzureißen und alles Investoren zu verscherbeln. Dann kam wieder der Heilsbringer Plattner und machte daraus sein nächstes Privatmuseum.
Der umstrittene Wiederaufbau der Garnisonkirche – hätte man damit überhaupt angefangen ohne die vielen Spenden auch von rechten und rechtsextremen Akteuren? Und natürlich waren auch hier wieder die reichen Neupotsdamer*innen dabei.

Ob in der historischen Speicherstadt, am Jungfernsee oder am Filmpark – nichts ging und geht ohne reiche Investoren und Mäzene.
Entstanden ist genauso eine Stadt – für Reiche und Tourist*innen, privatisiert, teuer und extrem segregiert. Zwischen den dem Villenviertel am Heiligen See und der alten Plattenbausiedlung am Schlaatz bestünden Unterschiede wie zwischen erster und dritter Welt, schrieb einmal der Spiegel.

Jetzt hat der Milliardär Hasso Plattner seinen nächsten Coup gestartet. Um sich den ganzen Unicampus am Griebnitzsee unter den Nagel zu reißen will der den berühmten Kreml aus dem Brauhausberg durch seinen Vertrauten und Geschäftspartner Kretzschmar aufwendig in einen neuen Unicampus umbauen.

Wie immer herrscht fast überall in Potsdam kritiklose Begeisterung und Euphorie. Alles so schnell wie möglich über die Bühne gebracht werden, da spielen Beteiligung, Angst vor Verdrängung und kritische Anmerkungen zu unwichtigen Fragen wie Steuergerechtigkeit oder IT Geschäften in den USA keine Rolle. Der alte Herr Plattner soll ja seine Heiligsprechung von selbst erleben dürfen.

Nun hat sich aber tatsächlich ein Aktionsbündnis gegründet, was die kritischen Positionen und Debatten bündeln und die Menschen in Potsdam in den Mittelpunkt stellen will.

Am Donnerstag, den 29. Januar 2026 wird sich dieses Aktionsbündnis „Wir sind die Stadt!“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellen und ruft zu Protesten gegen die Pläne von Land, Stadt und Plattner auf. Anlass ist die Vorstellung von Entwürfen für den Umbau auf dem Brauhausberg in den – noch – zur Uni Potsdam gehörenden Gebäuden am Griebnitzsee.

Wir stellen Euch hier dafür alle Informationen, Analysen und Positionen zur Verfügung.

Konsens und Positionen des Aktionsbündnisses „Wir sind die Stadt!“

Aktionsbündnis „Wir sind die Stadt!“ – Konsens

Wir sind die Stadt heißt für uns, dass wir uns für eine Stadtentwicklung von unten einsetzen, in der die Menschen der Stadt tatsächlich beteiligt sind und über wichtige Projekte mitentscheiden.

Wir sind die Stadt heißt für uns, dass wir es ablehnen, die Entwicklung der Stadt dem Einfluss reicher Mäzene zu überlassen.

Wir sind die Stadt bedeutet für uns, öffentliche Räume und öffentliches Eigentum zu erhalten.

Wir sind die Stadt heißt deshalb, dass wir die Privatisierung der Stadt an kaufkräftige Investoren ablehnen.

Konkret heißt das für uns, dass wir für eine ernstzunehmende breite Beteiligung der Menschen an den Entwicklungen am Griebnitzsee und auf dem Brauhausberg eintreten.

Konkret heißt das für uns, dass wir Deals mit dem Milliardär Hasso Plattner ablehnen. Die meisten seiner Investments sind in öffentliche Aufgaben, die bei ausreichenden Besteuerung auch staatlich finanziert werden könnten.

Konkret bedeutet das für uns, dass wir uns gegen den Verkauf öffentlicher Flächen am Griebnitzsee und anderswo an die Hasso Plattner Stiftung aussprechen. Wir fordern stattdessen mehr Wohnheimplätze für Studierende und Freiräume für alle Menschen – auch auf dem Brauhausberg.

Konkret bedeutet das, dass wir weitere Privatisierungen in Potsdam ablehnen. Wir engagieren uns gegen alle Konzepte, die Bildung, Stadtentwicklung und Kultur zu privatisieren. Wir brauchen in Potsdam keine Privatstadt.

Die Stiftung ist deswegen steuerfrei, damit sie eben mehr Geld hat und das in Projekte investieren kann, die dem Gemeinwohl dienen.“
Hasso Plattner, Tagesschau vom 22.06.2025

Genau solche Aussagen begründen den Konsens unseres Aktionsbündnisses.
Wir fordern, dass Hasso Plattner und seine Unternehmen endlich regulär Steuern zahlen, damit Stadt und Land in Projekte investieren können, die dann real dem Gemeinwohl dienen.
Was dem Gemeinwohl dient und was darin investiert wird, entscheiden demokratische Prozesse unter intensiver Beteiligung der Menschen in der Stadt – und nicht reiche Mäzene wie Hasso Plattner!

Aktionsbündnis „Wir sind die Stadt!“ Potsdam, 21. Januar 2026

Aufrufe zu Protesten am 29. Januar 2026

Das Aktionsbündnis ruft gemeinsam mit studentischen Gruppen und Bürger*inneninitiativen dazu auf, den Anlass der öffentlichen Präsentation der Entwürfe für den Umbau auf dem Brauhausberg zu nutzen und gegen diesen Deal mit Plattner zu protestieren.
Treffpunkt ist ab 16 Uhr vor dem Haus 6 auf dem Gelände der Universität Potsdam am Griebnitzsee. Eine Kundgebung dafür wurde angemeldet. Ab 17 Uhr beginnt im Hörsaal 04.

Hier dokumentieren wir die Aufrufe zu dieser Protestkundgebung.

Aufruf studentischer Initiativen

*PROTESTAKTION* gegen die Pläne von Plattner und den Ausverkauf der Stadt!

Am 29.01.2026 sollen im Haus 6 am Griebnitzsee drei „verschiedene“ Varianten für die Realisierung des neuen Campus Brauhausberg vorgestellt werden.
Doch die Grundsatz-Frage die wirklich *verschiedene* Varianten möglich gemacht hätte wurde nie gestellt:

Wollen wir, dass ein immer wieder rassistisch auftretender Milliardär sich in öffentliche Bildung einkauft?

Wollen wir, dass unserer Campus Griebnitzsee ans HPI geht, Plattners Rekrutierungstätte für sein Unternehmen SAP, das erst letzten Herbst ein Milliardendeal mit dem US-Militär abgeschlossen hat?!

Wollen wir, dass unser Campus Griebnitzsee ans HPI verschenkt wird und als „Ausgleich“ ein absehbar viel zu kleiner und unzugänglicher Mini-Campus auf den Brauhausberg gestellt wird?

Wollen wir, dass in Potsdam Ultra-Reiche allein entscheiden was Gemeinwohl ist und wie unsere Stadt auszusehen hat?

*Wir sagen NEIN!*

Wenn du den Verantwortlichen auch ein klares NEIN zu ihren Plänen für unsere Stadt und unseren Campus entgegenbringen willst dann komm *am 29.01. um 16 Uhr* vors *Haus 6* am Campus Griebnitzsee zu unserer Protestaktion!

*Wir brauchen Wohn- und Freiräume statt HPI und Milliardärs-Träume!*

Aufruf und Flyer der Bürger*inneninitiative Brauhausberg

Studentischer – und Hochschul – Aktionstag am Mittwoch, den 28. Januar 2026: Hier gibt es in Potsdam eine Demonstration, auf der für unsere Positionen und den Protest am nächsten Tag geworben wird.

Über die Rolle von reichen Mäzenen bei der Stadtentwicklung in Potsdam wurde hier bereits viel geschrieben und veröffentlicht.

Hier noch einmal die Links zu den wichtigsten Beiträgen:

Bürger*innen, Student*innen, Unimitarbeiter*innen und der BUND haben seit Beginn der Debatte in der Stadtverordnetenversammlung versucht, ihre Positionen einzubringen. Dies ist nicht immer gelungen. So wurde der BI Brauhausberg und dem Uniprofessor Windoffer bei der SVV am 21. Januar 2026 das Rederecht verweigert.
Deshalb dokumentieren wir hier einen Teil dieser wichtigen Beiträge zur Debatte.

Rede Roman
Rede Windoffer 21.1.2026 und 2.12.2025

Aufruf und Mitarbeit

Selbstverständlich arbeitet auch das Netzwerk „Stadt für alle“ beim Aktionsbündnis mit.
Kämpfen wir gemeinsam für eine Stadt von unten und gegen Privatstädte von reichen Mäzenen!

Wir sehen uns am Donnerstag, den 28. Januar 2026 am Unigelände am Griebnitzsee!

Und natürlich sind wir offen für weitere Mitstreiter*innen.
Schreibt uns:
blog@potsdam-stadtfueralle.de

Ihr braucht Gründe für Euren Protest.
Hier ist einer:

Die Stiftung ist deswegen steuerfrei, damit sie eben mehr Geld hat und das in Projekte investieren kann, die dem Gemeinwohl dienen.“
Hasso Plattner, Tagesschau vom 22.06.2025

image_pdfRunterladen als PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert