Stiftung Garnisonkirche stellt fest: „Es war kein Ort des Widerstands“

Die Pressekonferenz der Stiftung Garnisonkirche am heutigen Freitag ist eine späte Belobigung der Projektgegner*innen! Die Garnisonkirche war kein Ort der Opfer, sondern der Täter. Es wurde deutlich, dass der „Tag von Potsdam“ kein singuläres Ereignis war, denn er war das Ergebnis einer über Jahrhunderte praktizierten symbolischen Aneignung des Gotteshauses. Diese erhielt mit dem Ende der Monarchie und dem bestehenbleibenden Nationalismus eine neue Dynamik. Nachdem dies die Kritiker*innen seit fast 30 Jahren anmerken und spätestens mit dem Grünzig-Buch 2017 wissenschaftlich belegen konnten, stellt dies nun auch die Stiftung fest. …

„Der Tag von Potsdam und dem ikonischen Handschlag von Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg am 21. März 1933 wird nicht mehr als singuläres Ereignis, sondern als Höhepunkt dieser antidemokratischen Entwicklung gezeigt. Auch mit dem Mythos, dass die Kirche eine Keimzelle des Widerstands gegen die Nazis gewesen sei, will die Schau aufräumen: Dennoch war die Garnisonkirche ebenso wenig ein Ort des Widerstands wie das Infanterie-Regiment 9,“ verlautet es nach Medienberichten (MAZ). Nur einige Journalist*innen kennen bisher das 29-Seite Konzept mit dem Titel „Glaube, Macht und Militär: Die Garnisonkirche Potsdam“. Der Öffentlichkeit wurde es noch nicht vorgestellt. Auf der Homepage der SGP ist es auch noch nicht zu finden.

Inhaltlich ist dieses Papier eine Bankrotterklärung der bisherigen Befürworter*innen. Sie haben sich und die Öffentlichkeit seit Jahren getäuscht. Was haben sie nicht alles versucht um den Handschlag umzudeuten, oder die Kritik an der massiven Verknüpfung von Kirche, Macht, Militär und Krieg klein zu reden, oder den Widerstand des 20. Juli zu bemühen, um aus der gotteslästernden Bude eine angeblichen Hort des Guten und des Friedens werden zu lassen.

Wir erkennen den Lernprozess an, der beim wissenschaftliche Beitrat der Stiftung auf Grundlage der Auseinandersetzung mit dem Lernort Garnisonkirche und der rastlosen Kritik der Stadtgesellschaft, nun eingesetzt hat. Wir erkennen aber bis heute nicht, warum für eine geschichtliche Aufarbeitung dieses Ortes eine Kopie des Kirchturms notwendig ist. Die Aussage des Beiratsvorsitzenden Nolte „die kritische Debatte zur Garnisonkirche hat uns weitergeführt. Die Spannungen werden in diesem rekonstruierten Turm deutlicher als in einem modernen Gebäude“ ist im zweiten Teil völliger Unsinn. Die Innenräume sind völlig unauthentisch. Sie haben mit dem historischem Vorbild nichts zu tun. Spannung und Authentizität entstehen nicht durch eine kitschige Außenfassade. Es wird Zeit, dass die Befürworter*innen auch mit diesem Mythos aufhören. Ein neuer Ort (losgelöst vom alleinigen Einfluss einer kirchlichen Stiftung) kann wesentlich objektiver und spannender sein. Wir sollten nicht Inhalt in eine Form pressen, sondern den notwendigen Inhalten die richtige Form geben. Inklusive eines dafür hergerichteten und wirklich funktionalen Gebäudes!

Das Beispiel München zeigt, dass das sehr gut geht. Wer einmal im NS-Dokumentationszentrum war, welches am Ort der früheren NSDAP-Parteizentrale errichtet wurde, wird dies bestätigen können.

An dieser Stelle möchten wir auf unseren Beitrag: „Die 7 Mythen der GK“ vom Januar 2019 verweisen: Die 7 Mythen der Garnisonkirche – Potsdam – Stadt für alle (potsdam-stadtfueralle.de) der nur einen von vielen Beiträgen ist, der das heute verkündete bereits vor Jahren abbildete.

Was darüber hinaus immer hilft: lernort | garnisonkirche (lernort-garnisonkirche.de), denn Lesen bildet!

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