Wer steckt eigentlich hinter den Investoren auf dem RAW – Gelände? III

Bildquelle: Stadt Potsdam

„Der ist mein Alter, EU-Bürger, männlich, drei Kinder.“

… so Mirco Nauheimer am 21.12.2018 gegenüber der MAZ.
Na, dann ist ja alles klar, da kann es keine Probleme mehr geben mit dem Investment auf der RAW – Gelände.
Oder?
Wir aber trotzdem weiter recherchiert. Und sind dabei auf eine Menge neuer Informationen, Netzwerke und Ungereimtheiten gestoßen.

Zuerst wollen wir weiter auf die Aussagen des RAW Potsdam GmbH  – Geschäftsführers Mirco Nauheimer eingehen. Mit dem Namen Vitali Kivmann hat dieser gleichzeitig einige alte Netzwerke bestätigt und auf neue hingewiesen. Gemeinsam mit Kivmann war Nauheimer 2015/ 2016 Geschäftsführer der East Side Gallery GmbH Berlin, auch ein höchst umstrittenes Trockland Projekt. Wer sich auf diversen Portalen (https://www.moneyhouse.de ) die Vita solcher Gesellschaften und Geschäftsführer anschaut, wird beide Namen sehr oft finden. Das legt nahe, dass es sich im Grunde um Strohmänner handelt, die immer wieder aufs neue als zeitweilige Geschäftsführer von Beteiligungsgesellschaften eingesetzt und dann wieder durch andere ersetzt werden.
Nauheimer ist aktuell unter anderem Geschäftsführer der Ampar Investment GmbH und der Salaground Real Estate GmbH & Co. KG, bei moneyhouse sind seit 2005 allein 11 weitere Gesellschaften aufgeführt, bei denen er zeitweise Geschäftsführer, manchmal auch gleich Liquidator war. Bei Kivmann ist das ähnlich. Andere Namen, die hier in Zusammenhang mit Nauheimer immer wieder auftauchen sind Lars Bruch und natürlich immer wieder auch Yeheskel Nathaniel.
Hier findet man eine kleine Übersicht dieses Netzwerkes:

netzwerk-graph-mirco-nauheimer-bruch_29-12-2018

Viele dieser Gesellschaften haben natürlich auch gemeinsame Adressen. Auf die Trockland – Adresse in der Hauptstraße 27 in Berlin – Charlottenburg wurde schon verwiesen, wo viele Firmen ihren Sitz haben, die auch heute noch mit Nauheimer zu tun haben. Noch interessanter ist allerdings die Adresse Emser Straße 9 – ein Hinterhof in Berlin – Schöneberg. Hier hat die aktuelle Kivmann – Gesellschaft – die Anderle Ostpreussendamm GmbH & Co.KG ihren Sitz, aber auch die RAW Media Havel GmbH, der Gründername unserer RAW Potsdam GmbH. Wer sich aber die Geschichte dieser Adresse anschaut, gerät „zufällig“ an die Namen der schlimmsten Immobilienspekulanten der 80 ` er und 90 ´ er Jahre in Westberlin. Dort residierte unter anderem die berüchtigte Henning von Harlessem GmbH, hinter der sich nach Angaben der Taz vom 01.08.1994 „eine Gruppe stadtbekannter Spekulanten verbirgt“, die in der Zeit Dutzende Häuser in Berlin haben verfallen lassen, Hausprojekte geräumt und abgerissen haben. Den Übergang in unsere Zeit bietet dann die Lenz Unternehmensgruppe, mit der wiederum Mirco Nauheimer bis heute Geschäftsverbindungen hat.

Natürlich gibt es auch neue Verbindungen nach Zypern. Gesellschafter der RAW Potsdam GmbH ist die Green Palmer Holdings Ltd. mit Sitz in der zyprischen Hafenstadt Limassol. Eigentlich sollte schon dies allein misstrauisch machen. Holdings und (Zypern) Limited werden als Rechtsformen zur Steueroptimierung auf Hunderten von Plattformen, bei Notaren und Anwaltskanzleien angeboten. Zypern wird dort meist als der EU – Staat genannt, wo genau dies am Besten umzusetzen ist.
Der Berliner Mieterverein beschreibt deren Arbeit so:
„Die Steuervermeidung läuft im Prinzip meist so, dass ein Konzern mit Sitz in einem Steuerparadies Tochterfirmen in Deutschland gründet und diesen zum Bauen und Bewirtschaften von Wohn- oder Gewerbegebäuden Kredite gibt. Die Töchter zahlen diese Kredite zuzüglich Zinsen jahrelang an das Mutterunternehmen zurück. Dadurch wird der in Deutschland erwirtschaftete und zu versteuernde Gewinn erheblich reduziert oder sogar auf Null gedrückt. Über die Kreditrückzahlung fließt der Gewinn an die ausländische Konzernmutter, die ihn an ihrem Unternehmenssitz nur minimal versteuern muss. Die Tochterfirmen, die das eigentliche Geschäft betreiben, werden „armgerechnet“, die deutschen Finanzämter gehen leer aus.“
Wer sich mal die Bilanzen der hier genannten Unternehmen ansieht, kann genau dieses Modell entdecken. Allein die East Side Gallery GmbH weist jahrelang ein Minus aus, 2013 zum Beispiel von 985.939,40 €.
Aber uns ist noch ein spannendes Detail aufgefallen. Sowohl die East Side Gallery GmbH – Gesellschafter dort ist eine Rumbeck Investments Ltd. – als auch die RAW Potsdam GmbH – Gesellschafter dort die schon genannte die Green Palmer Holdings Ltd. haben beide die gleiche zypriotische Gesellschaft als Verwalter in der gleichen Stadt – in Limassol die CYPROSERVUS CO. LIMITED , Secretary.

Wichtig ist uns deshalb noch ein erstes Fazit vor allem für unsere PolitikerInnen in Potsdam.

Die RAW Potsdam GmbH ist keine große Firma mit Kapital, was sie ausgerechnet zum Segen der Stadt anlegen will. Sie ist eine von ganz vielen Beteiligungsgesellschaften ohne Eigenkapital, ohne eigene Geschäftstätigkeit. Sie ist – wie viele vorher aus einer Vorratsgesellschaft in Berlin gebildet worden – der VBB Vorratsgesellschaften GmbH, Friedrichstraße 133, 10117 Berlin. Das kann im Grunde jeder und Mirco Nauheimer hat dies schon ganz oft getan. Die Auftraggeber dieser Gesellschaften sitzen in der Regel in Steueroasen und in Ländern, die dringend Anlagen brauchen, um ihr Geld zu waschen und Steuern zu sparen. In unserem Fall ist davon auszugehen, dass fast alle Wege nach Russland und Zypern führen. Und Immobilien sind aktuell eine der lukrativsten Anlagemöglichkeiten – gerade in Städten wie Potsdam, wo weder Stadt noch Medien bereit sind, kritisch hinzuschauen.
Deshalb gibt auch nicht den einen großen Investor. Das Geld wird aus ganz vielen und undurchschaubaren Quellen kommen, uns wird irgendwann ein Name genannt, der in den Netzwerken ebenso oft auftaucht wir Nauheimer.
Fast alle diese Gesellschaften haben sogenannte „Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge“ so mit der PIER Hospitality GmbH – hier wären wir dann wieder bei Trockland – Firmen und Yeheskel Nathaniel. Deshalb haben diese Gesellschaften in der Regel eine negative Bilanz und werden nach einer Weile liqudiert. Dann kommen neue Gesellschaften ebenso zweifelhaften Rufs.
Was bleibt dann für Potsdam?
Vielleicht wird hinter verschlossen Türen schon so etwas verhandelt, was Trockland in Berlin gelungen ist und von dem die Berliner Zeitung am 3.12.2018 berichtet hat: „Das Park Center Herzberge, ein denkmalgeschützter Industriebau in Lichtenberg, wurde 2013 von Trockland übernommen. Der Investor vermarktet den Komplex als Standort für Start-ups und Dienstleistungsfirmen. Auf der Website von Trockland steht, dass die 23.600 Quadratmeter zu Hundert Prozent gewerblich vermietet werden. Auch der Ankermieter ist genannt, der mit 46 Prozent knapp die Hälfte des riesigen Areals mietet: das Land Berlin.“

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