Hausbesetzung in Potsdam!

Wir dokumentieren: Die Erklärung der Besetzer*innengruppe

Was ist denn da los? Warum besetzen diese Chaoten schon wieder ein Haus?

Eines vorneweg: Wir sind gar nicht so chaotisch wie ihr vielleicht denkt. Wir haben eine ziemlich genaue Vorstellung von dem, was wir tun und warum wir es tun. Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, echte Demokratie, das schöne Leben für Alle – das sind Ziele, die uns motivieren, den Arsch hochzukriegen, uns kollektiv zusammen zu finden und gemeinsam gegen die Ungerechtigkeiten und Schieflagen in dieser Stadt aktiv zu werden. Und das ganze sogar völlig selbstlos – quasi ehrenamtlich!

Nun haben wir es also wieder gewagt ein Haus zu öffnen, diesmal in der Feuerbachstraße 36 und das aus guten Gründen.

Ein wahrlich schönes geräumiges Haus in bester Lage ist es sogar, das jedoch seit Ewigkeiten leer steht und zusehends verfällt. Eigentümer? Irgendeine Erbengemeinschaft aus den alten Bundesländern, die ihren Besitz anscheinend vergessen hat. Wie kann es angehen, dass Häuser spekulativ leer gehalten und ihr Verfall in Kauf genommen wird, während fehlender bezahlbarer Wohnraum mittlerweile zum Aushängeschild Potsdams geworden ist?

Die Rettung und Wiederbelebung leerstehender Häuser durch Instandbesetzung hat in Potsdam tatsächlich eine lange Tradition, man könnte sogar von einer schützenswerten Kultur sprechen! Eine ebenso reiche Kultur stellten und stellen die Menschen in den Häusern und Projekten dar. Ein kollektives, gleichberechtigtes, engagiertes und solidarisches Leben und Handeln auf Augenhöhe – hier wurden und werden Werte gelebt, von denen anderen nur reden. Viele der heutigen etablierten Kulturstandorte wie Waschhaus, Fabrik oder Lindenpark entstanden aus dieser Bewegung. Nicht zuletzt waren es ebendiese Leute aus den besetzten Häusern und die sie umgebende Subkultur, die dafür sorgten, dass sich Neonazis hier nicht breit machen konnten und sich Potsdam heute im Gegensatz zu so vielen anderen ostdeutschen Städten auch relativ glaubwürdig als bunte, tolerante und weltoffene Stadt präsentieren kann. Und auch heute sind wir es, die für Menschenlichkeit und gegen braune (und blaue) Hetze in erster Reihe stehen auch wenn sich andere die Erfolge gerne auf ihre Fahnen schreiben.

Aber zurück zur Wohnungsnot: Ja es wird auch in Potsdam viel gebaut und saniert. Jedoch kaum, um der sozialen Verpflichtung nach bezahlbarem Wohnraum für alle nachzukommen. Nein, die ständige neoliberale Gier nach Profitmaximierung durch Mieterhöhung, hat stattdessen zur Folge, dass nur wenige ihre alte Wohnung nach erfolgter Sanierung wieder beziehen können und auch die neu hochgezogenen Wohnviertel bedienen viel mehr die Bedürfnisse finanzstarker Zuzügler als die der ansässigen Bevölkerung. Diese Gentrifizierung hat drastische Folgen für die Sozialstruktur der Stadt. Nicht nur weil ganze Einkommensschichten aus der Innenstadt vertrieben werden. Immer wieder wurde und wird öffentliches Eigentum zugunsten der wenigen Immobilienfürsten der Stadt privatisiert. Wen wundert da die sich immer weiter spreizende berühmte Schere zwischen arm und reich? Sowieso scheinen für die Herren Jauch, Kirsch, Plattner oder den hocherwürdigen Prinzen von Preußen, die mittlerweile ganze Straßenzüge ihr Eigen nennen können, ganz andere Spielregeln zu gelten. Während sich Bürger_innen der Stadt zusammen finden und verzweifelt für die Rettung öffentlich-sozialer Räume, wie dem FH-Gebäude einsetzen, dabei nur belächelt, verarscht und kriminalisiert werden, wird diesen herausragenden Persönlichkeiten scheinbar jeder Wunsch mit plötzlicher Leichfertigkeit erfüllt. Ein Barabrini und Minsk für die private Kunstsammlung, FH-Abriss, Wiederaufbau von Garnisonkirche und Stadtschloss? Aber natürlich, mit Kusshand und Kniefall!

Diesem Ausverkauf öffentlichen Eigentums in Hintertürenmanier schauen wir nicht tatenlos zu! Nicht nur wir wissen, wie unglaublich wichtig unkommerzielle und soziale Freiräume für eine vitale und demokratische Stadtgestellschaft sind. Da die Stadt solche Räume nicht frei gibt, öffnen wir sie und laden hiermit alle interessierten ein, sich mit uns zu solidarisieren und diesen befreiten Raum mit größtmöglicher Kreativität zu gestalten! Ob sozialer Treffpunkt, Mehrgenerationenhaus, Kinderladen, Gemeinschaftgarten, Vereinräume, Proberäume, Bastelwerkstatt, Atelier, … was ihr euch erdenken könnt kann hier einen PLatz finden.

Doch sind wir realistisch: der Befehl zu Räumung wird wohl wieder nicht lange auf sich warten lassen, steht doch der Schutz noch so fragwürdiger Eigentumverhältnisse in dieser kapitalgetriebenen Gesellschaft weit über den Bedürfnissen der Menschen. Demonstrationen, Aktionismus und Besetzungen sind und bleiben immer wieder unsere legitime Antowort gegen diese zerstörerischen, unmenschlichen Verhältnisse und Machenschaften. Die Hoffung auf „andere Fromen der politischen Auseinandersetzung“ wie sie Oberbürgermeister Schubert zuletzt forderte, wurde zu oft enttäuscht, ignoriert, abgetan und ausgetrickst. Selbst Schuld!

Wir bleiben dabei:

GEGEN DEN WEITEREN AUSVERKAUF DER STADT!

SOFORTIGER STOPP DER PRIVATISIERUNG ÖFFENTLICHEN EIGENTUMS!

ANTIKAPITALISCHTE FREIRÄUME ERKÄMPFEN!

HER MIT DEM SCHÖNEN LEBEN FÜR ALLE!

#FHLEBT

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