Garnisonkirche Potsdam: Alles ist anders, aber bloß nichts ändern

Stiftung Garnisonkirche erreicht endlich den Wissensstand der Projektgegner*innen! Mit der am 12.März in einem Pressegespräch vorgestellten Konzeption der Dauerausstellung eignet sich die Stiftung Garnisonkirche das wissenschaftlich begründete Geschichtsbild der Hof- und Garnisonkirche Potsdam endlich an. Die Garnisonkirche war kein Ort der Opfer, sondern einer der Täter. Wir dokumentieren die Stellungnahmen des Antimilitaristischen Fördervereins und des Lernort Garnisonkirche zum Ausstellungskonzept der SGP.

Der wissenschaftliche Beirat des Lernort-Garnisonkirche, welcher physisch im Rechenzentrum und online unter https://lernort-garnisonkirche.de täglich erlebbar ist, stellt fest: „Alles ist anders, aber bloß nichts ändern“. Der Beirat leitet aus dem vorgelegten Konzept der Stiftung Garnisonkirche klare Forderungen ab.

Wir fordern daher, dass aus dem nun korrigierten Geschichtsbild, welches die jahrzehntelangen Begründungen für das Wiederaufbauvorhaben Lügen straft, Konsequenzen für Bauwerk und Stiftung folgen.
Baulich soll auf die Kirchturmhaube und den militärischen Bauschmuck verzichtet und das Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum erhalten werden.
Das Erdgeschoss des Turmbaus soll der historischen Vermittlung der Geschichte des Ortes gewidmet werden, die Aktivitäten der Nagelkreuzkapelle können im untergenutzten Heilig-Kreuz-Haus stattfinden. Die Satzungen der Stiftung und der Fördergesellschaft sollen im Hinblick auf ihre Zielsetzungen und die Zusammensetzung des Stiftungskuratoriums geändert werden. Priorität soll einem Lernort eingeräumt werden, der sich kritisch mit der Geschichte des preußisch-deutschen Nationalprotestantismus befasst.
Mit diesen Schritten würde die Stiftung sich endlich von dem von Max Klaar und der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel vorgeprägten Wiederaufbaukonzept verabschieden, welches originalgetreuen Wiederaufbau, eine Kapelle als Ort der Verkündigung und die Erinnerung an den Widerstand es 20. Juli vorsah.
Der nun von der Stadt Potsdam initiierte Prozess zur Entwicklung eines inhaltlichen und gestalterischen Konzeptes für den Bereich Garnisonkirche/Rechenzentrum sollte genutzt werden, um zu einer neuen Lösung für den Ort zu kommen.“

Weitergehende Schlussfolgerungen zieht der Antimilitaristische Förderverein der Stadt Potsdam: Baustopp, Trägerschaftswechsel und Neustart!

Wir sollten nicht eine Form mit Inhalten füllen, sondern den notwendigen Inhalten die richtige Form geben. Inklusive eines dafür hergerichteten und wirklich funktionalen Gebäudes! Die Aufarbeitung dieser Geschichte ist eine gesamtgesellschaftliche und sollte nicht in Regie einer kirchlichen Stiftung (und deren verengter Eigensicht) erfolgen.
Das gesamte Vorhaben erinnert an die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche durch die Kirche. Es wird nur das eingeräumt, was ohnehin bekannt ist. Ein Neuanfang bei der Aufarbeitung kann nur durch die Erschütterung des ganzen Systems gelingen. So auch bei der Garnisonkirche. Der Bruch muss auch außen sichtbar sein und er muss sofort erfolgen. Ein Trägerwechsel für die Aufarbeitung des preußischen Militarismus und die Potsdamer NS-Zeit ist dringend notwendig. Dass die Ausstellung von der Bundeswehr bezahlt werden soll, macht das Problem der inkonsequenten Geschichtsaufarbeitung nicht kleiner.“

Hier die beiden Stellungnahmen zum Nachlesen:

Die Stellungnahme der „BI Potsdam ohne Garnisonkirche“ zum gleichen Problem ist separat dokumentiert: Neues Ausstellungskonzept für Garnisonkirche: Achtung, Fördergeldopportunismus – Potsdam – Stadt für alle (potsdam-stadtfueralle.de)

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